Nds. Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz

Nährstoffbericht

Niedersachsen legte am 15. Juni 2026 den 13. Nährstoffbericht in Bezug auf Wirtschaftsdünger vor. Die wichtigsten Ergebnisse des Nährstoffberichtes, bzw. Änderungen im Vergleich zum Vorjahresbericht, sind folgende:

  • Erstmals seit dem Nährstoffbericht 2015/2016 wird die in der Düngeverordnung des Bundes festgelegte 170 kg N-Obergrenze der Stickstoffaufbringung aus organischen und organisch-mineralischen Düngemitteln (Wirtschaftsdünger) bezogen auf Kreisebene rein rechnerisch eingehalten. Hierzu die Erläuterung: Betriebe dürfen in Deutschland pro Hektar und Jahr nicht mehr als 170 kg Stickstoff (N) aus organischen (Gülle, Mist) Nährstoffen ausbringen.
  • Das Stickstoff-Düngesaldo (N-Saldo) auf Landesebene ist mit minus 38.232 Tonnen Stickstoff (im Vergleich vom Vorjahr: minus 34.988 Tonnen N) weiterhin unterhalb der rechtlich maximal zulässigen Düngung. Die Vorgaben der Düngeverordnung werden auf Landesebene somit eingehalten. Allerdings ist die Verteilung der organischen Düngung in Niedersachsen regional weiterhin sehr ungleich.

Zur Erläuterung: Der Stickstoff-Düngesaldo ist ein Wert, für den der kalkulatorisch nach Düngeverordnung berechnete Nährstoffbedarf der angebauten Pflanzen der tatsächlichen Düngung gegenübergestellt werden. Dabei werden vorab sogenannte unvermeidbare Verluste bei der Lagerung und Ausbringung abgezogen.

  • In den Landkreisen Cloppenburg, Grafschaft Bentheim, Peine, Vechta und der kreisfreien Stadt Salzgitter liegt eine rechnerische Überschreitung des Düngebedarfs gemäß der Düngeverordnung vor, die sich in der Summe auf rund 1.689 Tonnen N (im Vorjahr: fünf Landkreise mit 1.681 Tonnen Stickstoff) beläuft und die es weiter abzubauen gilt. Aus diesen Kreisen müssen daher verstärkt Nährstoffe abtransportiert werden. Der Wert bezieht sich auf alle Stickstoff-Dünger inklusive Mineraldünger.
  • Der Dung- und Gärrestanfall aus der Tierhaltung ist leicht rückläufig: Er beläuft sich im Berichtszeitraum 2024/25 auf 52,4 Millionen Tonnen und liegt damit rund 0,3 Millionen Tonnen unter der Menge des Vorjahres.
  • Mehr Wirtschaftsdünger in Biogasanlagen: Der Substratinput von Wirtschaftsdüngern zur energetischen Nutzung in die Biogasanlagen hat sich weiter erhöht und erreicht mit 9,8 Millionen Tonnen Festmist (im Vorjahr: 9,5) einen neuen Höchstwert.
  • Der Absatz von Mineraldünger ist nach den Zahlen des Statistischen Bundesamtes wieder von rund 158.000 Tonnen N-Mineraldüngerabsatz im Wirtschaftsjahr 2023/24 auf rund 169.000 Tonnen im aktuellen Berichtszeitraum leicht angestiegen, liegt aber weiterhin auf dem zurückgegangenen Niveau der Vorjahre
  • Wie bereits im Vorjahresbericht, konnte auf Basis der elektronischen Nährstoffmeldung „ENNI“ die Versorgung der Böden mit Phosphat dargestellt werden. Rund 35 Prozent der Schläge (zusammenhängend landwirtschaftlich genutzte Flächen) sind demnach hoch bis sehr hoch mit Phosphor versorgt, so dass weitergehende Einschränkungen bei der Düngung notwendig sind.
  • Die Auswertung für Phosphat hat ergeben, dass sich in fünf Landkreisen (Cloppenburg, Emsland, Grafschaft Bentheim, Oldenburg, Vechta) ein rechnerischer Überschuss der Phosphat-Aufbringung von insgesamt 2.947 Tonnen Phosphat (Reduktionsbedarf; im Vorjahr: 2.935 Tonnen Phosphat) ergibt. Der landesweite Phosphatdüngesaldo (ermittelter Bedarf vs. Düngung) beträgt minus 15.317 Tonnen Phosphat bzw. minus 6 Kilogramm Phosphat je Hektar.
  • In Bezug auf die Nährstoffbelastung in den Grund- und Oberflächengewässern kann ein positiver Trend bisher bei nur rund 30 Prozent der Messstellen verzeichnet werden. Bei über der Hälfte der betrachteten Grundwassermessstellen ist bisher keine signifikante Veränderung der Nitratkonzentrationen erkennbar, bei rund einem Sechstel der Messstellen steigen sie sogar an. Einen guten ökologischen Zustand beziehungsweise das gute ökologische Potential erreichen derzeit nur drei Prozent der Oberflächenwasserkörper. Vom Ziel der Wasserrahmenrichtlinie, 100 Prozent der Oberflächengewässer in einen guten chemischen wie ökologischen Zustand zu überführen, ist Niedersachsen weit entfernt.
    Es besteht weiterhin erheblicher Handlungsbedarf, um die nährstoffbedingten Gewässerbelastungen abzubauen und letztlich die Ziele der Wasserrahmenrichtlinie und Nitratrichtlinie flächendeckend zu erreichen.

Der 13. Nährstoffbericht bestätigt, dass die niedersächsische Landwirtschaft in den letzten Jahren schon viel erreicht hat. Die Einstellung zur Düngung auf den Betrieben hat sich positiv verändert, die rechtlich zulässige Stickstoffdüngung wird auf Landesebene eingehalten und das Nährstoffaufkommen aus der Tierhaltung in den viehstarken Regionen und den Biogasanlagen ist insgesamt rückläufig. Dennoch ist festzustellen, dass Niedersachsen die Ziele der Wasserrahmenrichtlinie weiterhin verfehlt und die Nährstoffkonzentration im Grund- und Oberflächenwasser vielerorts weiterhin zu hoch ist. Die positiven Entwicklungen im Düngungsverhalten auf den Betrieben der letzten Jahre spiegeln sich bisher kaum an den Grundwassermessstellen im Land und dem Zustand der Oberflächengewässer wider.

Die Ursachen hierfür sind näher zu beleuchten und es muss hinterfragt werden, ob das bisherige Ausbleiben eines deutlichen Rückgangs der Nährstoffbelastung trotz positiver Entwicklungen im Düngungsverhalten eine rein zeitliche Komponente darstellt oder die Ursachen an anderer Stelle liegen und andere Rahmenbedingungen erforderlich machen. Insofern setzt sich das Ministerium für die Klärung dieser Fragestellung und eine sinnvolle und effiziente Weiterentwicklung des Düngerechts ein.



Artikel-Informationen

Ansprechpartner/in:
Dr. Eric Reinsdorf

Nds. Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz
Calenberger Str. 2
30169 Hannover
Tel: 05 11/1 20-22 73

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