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Nährstoffbericht

Niedersachsen legte am 10.03.2021 den 8. Nährstoffbericht in Bezug auf Wirtschaftsdünger vor. Die wichtigsten Ergebnisse des Nährstoffberichtes bzw. Änderungen im Vergleich zum Vorjahresbericht sind folgende:

Dung- und Gärrestmenge und daraus resultierender Nährstoffanfall
Die Wirtschaftsdüngermenge hat sich in Bezug auf den Vorjahresbericht 2018/2019 wie schon im Vorjahr um rund 2,8 % verringert. Der daraus resultierende Stickstoff- und Phosphoranfall ist um rd. 2,5 % gesunken.

Stickstoffobergrenze
Im Vergleich zum vorherigen Berichtszeitraum, in dem noch fünf Landkreise die Obergrenze von 170 kg N/ha überschritten, kommt es aktuell noch im Landkreis Cloppenburg zu einer Überschreitung der Obergrenze, die absolut gesehen noch 2.732 t N beträgt. Damit hat sich der bestehende N-Überschuss aus dem Nährstoffbericht 2018/2019 in Höhe von 5.536 t N nahezu halbiert.

Stickstoff-Düngesaldo
Im Vergleich zum Vorjahresbericht 2018/2019 hat sich der Stickstoffdüngesaldo, also die Stickstoffmenge, die über die berechnete Düngeempfehlung der Landwirtschaftskammer hinaus von den Landwirten eingesetzt wird, von rund 31.000 t N weiter auf noch 692 t N reduziert. Damit weist Niedersachsen erstmals eine rechnerisch nahezu ausgeglichene Stickstoffdüngebilanz auf Landesebene auf. Dieser Rückgang resultiert in erster Linie aus einem weiter gesunkenen Mineraldüngerabsatz.

Stickstoffabsatz aus Mineraldünger
Der Stickstoff-Mineraldüngerabsatz ist im Vergleich zum Berichtszeitraum 2018/2019 um rd. 22.000 t von rd. 222.000 t N auf rd. 200.000 t N gesunken.

Auswertung für Phosphat
Im Berichtszeitraum 2019/2020 ist der landesweite Phosphat-Überschuss, der sich aus dem Vergleich der aus Wirtschaftsdünger und Mineraldünger insgesamt ausgebrachten Phosphatmenge und dem tatsächlichen Phosphatbedarf der angebauten Pflanzen ergibt, von rund 33.000 t Phosphat auf rund 28.000 t Phosphat leicht gesunken. Für die Landkreise bzw. kreisfreien Städte Ammerland, Cloppenburg, Emsland, Grafschaft Bentheim, Oldenburg, Osnabrück, Rotenburg (Wümme), Vechta sowie Wilhelmshaven (Stadt) ergibt sich ein Flächendefizit von rund 146.000 Hektar.

Berichtsteil düngerechtliche Kontrollen
In diesem Jahr wird zum zweiten Mal in Folge im Nährstoffbericht Einblick in die Systematik und Durchführung der düngerechtlichen Kontrollen gegeben. Als Grundstufe der Überwachung durchläuft eine sehr hohe Anzahl von Betrieben eine EDV-gestützte Risikoanalyse (alle Antragsteller Betriebsprämie, alle Tierhalter, alle Melder von Wirtschaftsdüngern). So sollen Betriebe mit großen Nährstoffproblemen identifiziert werden. Um das System der Risikoauswahl zukünftig weiter zu verbessern, wurde im Herbst 2019 die elektronische Nährstoffmeldung „ENNI“ eingeführt.

Bewertung
Es besteht weiterhin Handlungsbedarf, um die Nährstoffüberschüsse in Niedersachsen zu reduzieren. Während es in Bezug auf Stickstoff zwar positive Erfolge auf Landesebene zu verzeichnen gibt, hat sich die Situation in Bezug auf Phosphat im Vergleich zum Vorjahr nicht deutlich verbessert. Auch wenn die in diesem Bericht aufgezeigten Entwicklungen deutlich in die richtige Richtung gehen, kann von einer Entspannung der Situation in Niederachsen in diesem Jahr noch nicht gesprochen werden. Eine weitere Reduzierung des Nährstoffaufkommens ist notwendig, um die Anforderungen des Gewässer-, Natur- und Umweltschutzes erfüllen zu können.

Ziel muss neben der in diesem Jahr auf Landesebene erreichten Reduktion der Nährstoffüberschüsse im nächsten Schritt auch die Einhaltung düngerechtlicher Vorgaben auf Ebene der Landkreise bzw. kreisfreien Städte sein, um durch eine konsequent am Bedarf der Pflanzen ausgerichtete Düngung eine weitere Reduzierung der Nährstoffeinträge in die Gewässer zu erzielen. Eine weiter verbesserte Transparenz der Nährstoffströme, auf deren Grundlage zukünftig noch effektivere und zielgerichtete Kontrollen die Einhaltung des Düngerechts auf Betriebsebene sichern, ist dabei ein wesentlicher Baustein.

In der kommenden Zeit wird sich nun abzeichnen, inwiefern sich die jüngsten düngerechtlichen Änderungen aus 2020 sowie die damit einhergehenden landesrechtlichen Regelungen in Bezug auf besonders mit Nitrat belastete und eutrophierte Gebiete, aber auch die erstmals in 2019 eingeführte elektronische Nährstoffmeldepflicht in ENNI weiter auswirken werden.

Nährstoffüberschüsse wirken sich negativ auf Klima, Boden, Luft, Wasser und biologische Vielfalt aus. Die Beeinträchtigungen bei der Gewässerqualität sind besonders gut dokumentiert. Nach dem aktuellen Nitratbericht des Bundes überschreiten 34 % der niedersächsischen Grundwassermessstellen (Nitratmessnetz) den Grenzwert von 50 mg/l Nitrat, bundesweit ist dies nur bei 26,7 % der Messstellen der Fall. Noch schlechter fällt die Bewertung der Oberflächengewässer aus. Nur 2 % der niedersächsischen Oberflächengewässer erreichen die Ziele gemäß EG-Wasserrahmenrichtlinie.


Artikel-Informationen

Ansprechpartner/in:
Dr. Eric Reinsdorf

Nds. Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz
Calenberger Str. 2
30169 Hannover
Tel: 05 11/1 20-22 73

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