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Die Geschichte des Waldes in Niedersachsen

Schon seit der Frühzeit formte der Mensch den Wald. Nahe den ersten Siedlungen war der Wald auch Viehweide. Kriterium für die Auswahl der Baumarten war ihre Eignung als Futterpflanze.In der frühen Siedlungszeit herrschte ein Wander-Ackerbau mit Brandrodung. Statt eines Fruchtwechsels zog man auf neue Anbauflächen. Die brachfallenden Äcker wurden beweidet oder bewaldeten sich mit Salweiden, Aspen oder Birken – Arten, die als Brennholz zu gebrauchen waren. Man nutzte sie vornemlich als Niederwald: Die Stämmchen wurden geerntet, bevor sie für die Axt zu dick geworden waren. Die Walderneuerung erfolgte häufig durch Stockausschlag und Wurzelbrut. Diese am Ackerbau orientierte Waldbehandlung hat Laubbäume begünstigt, weiter verbreitet und geschützt.

Manche Wälder unterlagen schon früh einer sogenannten Forstverfassung. Solche "Bannwälder" sollten Forst- und Jagdrechte schützen. Ein bedeutender Bannwald war der Harz. Darüber hinaus gab es die "forestis". Sie umfassten Flächen, auf die keine Rechtsansprüche von Adeligen oder Städten bestanden. Dort galt Königsrecht.In der Verfallzeit des königlichen Forstregals beanspruchten die Landes- und Gutsherren das Recht über den Wald.

Der mittelalterliche Wald war der Bevölkerungsdichte jener Zeit angemessen. Mit dichter Besiedlung kamen in der Renaissance neue, privatwirtschaftliche Produktionsgrundsätze auf. In Bezug auf den Wald kam es zur Raubwirtschaft und der bisherige naturangepasste Kreislauf mit mäßiger Holzernte und natürlicher Regeneration zerbrach.

Die frühe Industrialisierung vernichtete viele Wälder brutal: Köhler, Glasmacher oder Aschenbrenner verbrauchten große Holzmengen. Beispiel für Raubbau am Wald sind auch Salinen. Die Landwirtschaft entnahm dem Wald den fruchtbaren Humus zur Düngung ihrer armen Böden. Damit zerstörte sie das nachschaffende Nährstoffdepot des Waldes.

Nachhaltiges forstliches Denken und der Wille zu Fortschritt und Verbesserung ließen neue Wälder entstehen. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts ist der Wald in Niedersachsen gesichert. Bis heute hatte unser Wald mit weiteren Katastrophen zu kämpfen. Die Not nach den beiden Weltkriegen sowie die Reparationshiebe der Alliierten kosteten nach dem 2. Weltkrieg vielen norddeutschen Wäldern wertvolles Holz.


Brennholzabfuhr mit Pferdegespann  
Brennholzabfuhr mit Pferdegespann, Kupferstich aus V. Hohberg, "Georgia Curiosa oder adeliges Landleben", 1687
Entwaldete Berghänge im Harz  
Entwaldete Berghänge im Harz
Hutewald  
Die Idylle trügt: Die Beweidung des Waldes durch Vieh hat diesen Eichenwald schwer geschädigt. "Hutewald bei Querum", Pascha Johann Friedrich Weitsch, 1784, Anton Ulrich Museum, Braunschweig
Meilerei  
Holzverbrauch durch Meilerei
Dünen und Flugsand in der Heidezeit  
Versandung und Erosion waren die katastrophalen Folgen der Übernutzung und Entwaldung
Pflanzen von Heistern (Großpflanzen)  
Pflanzung von Heistern (Buchen oder Eichen) "für die Nachwelt. Kupferstich aus Burgdorfs "Vorzügliche Holzarten", 1783.
Engländerkahlschlag  
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden große Mengen Holz als Reparationsleistung nach England geliefert- hauptsächlich starkes Nadelstammholz und Kieferngrubenholz.
Kahlschlag im Harz  
Kahlschlag im Harz, ca. 1948
Pflanzen von Nadelholzsämlingen  
Arbeiterinnen pflanzen Nadelholzsämlinge, mit "Aufseher"

Auf Eichen wachsen die besten Schinken

Im Wald hat die Zeit eine andere Dimension. Betrachtet man die heutige Struktur der niedersächsischen Wälder, muss man die Umstände berücksichtigen, unter denen sie vor vielen Jahren und Jahrzehnten entstanden sind, und die wir heute vielfach nur noch schwer nachvollziehen können.

Manche heute uralte Eiche wurde zu Napoleons Zeiten mit dem Ziel gepflanzt, später einmal Schweine darunter hüten zu können. Es galt die Weisheit: "Auf den Eichen wachsen die besten Schinken".

Die ältesten Kiefern, die Hungerkünstler unter den Waldbäumen, wurden in blanken Sand gesät, auch um Dörfer vor dem Untergang zu retten: Die Jahrhunderte lang übernutzten Böden drohten als Wanderdünen Heidedörfer zu übersanden. In einem Hilferuf des Dorfes Caßlau, Amt Lüchow, von 1756 heißt es, dass "Feld und Weide dergestalt von Jahren zu Jahren mit Sand überwehet werden, dass wir das liebe Brod nicht davon haben können und unser Vieh in Ermangelung der Weide fast verhungern muß". Sogar die Stadt Celle war von Wanderdünen bedroht.

Gruppenfoto mit Kulturfrauen bei Aufforstungsarbeiten  
Kulturfrauen bei der Wiederaufforstung kriegsbedingter Kahlflächen

Nadelwälder für die Nachkriegszeit

Die heute im Flachland und im Harz weit verbreiteten Fichten und Kiefern im Alter von etwa 50 Jahren sind Kinder der Nachkriegszeit - wiederentstandener Wald auf großen Kahlschlagflächen. Diese Bäume weisen noch heute auf die Übernutzung der Wälder hin: Die Autarkie im Dritten Reich musste gefördert werden und nach Kriegsende musste Holz in großen Mengen als Reparationsleistung nach England, als Grubenholz ins Ruhrgebiet und als Brennholz in unsere Städte geliefert werden. Das Ergebnis: große Kahlflächen.

Die Aufforstung dieser Flächen stellte die Förster vor die Frage nach den geeigneten Baumarten: Der Bergbau des Ruhrgebietes war angewiesen auf Grubenholz aus schwachen Kiefern- und Fichtenstämmen zur Sicherung der Stollen. Der Wiederaufbau der Städte verlangte ebenfalls nach Fichten- und Kiefernbauholz. So traf sich der Wunsch der Wirtschaft mit der Frosthärte der Fichten und Kiefern auf den frostgefährdeten großen Freiflächen und es entstanden großflächige Nadelwälder.


Bild einer Kiefer mit Ritzen zur Harzgewinnung  
Die früher verbreitete Harzgewinnung ist in Niedersachsen Geschichte

Orkane und Waldbrände setzten dem Wald zu - heute hat er die Wunden verschmerzt

Heute finden wir wieder verstärkt Eichenbestände im Alter von etwa 40 Jahren, Buchennachwuchs und Mischwälder mit Laubholzanteilen. Diese Wälder ersetzen großflächig als Folgen des verheerenden Orkans vom 13. November 1972 auf den Standorten mit besserer Nährstoff- und Wasserversorgung labilere Nadelwälder. Damals vernichtete der Sturm innerhalb weniger Stunden rd. 100.000 ha Wald. Dem Sturm folgten in den Jahren 1975/1976 großflächige Waldbrände in der Heide und später die Stürme Wiebke (1990), Kyrill (2007), Niklas (2015), Herwart (2017) und Friederike (2018). Jeder Wiederaufbau ist zugleich ein Neuanfang: Die stärkere Betonung der Laubwaldwirtschaft auf den geeigneten Standorten zur Erhöhung der Stabilität der Wälder und zur langfristigen Sicherung der stärker nachgefragten Laubhölzer am Markt.

Mit der Entscheidung der niedersächsischen Landesregierung, 10 % des öffentlichen Waldes der natürlichen Waldentwicklung ohne Holzernte- und Pflegearbeiten zu überlassen (

mehr zum NWE10-Programm), leistet Niedersachsen einen Beitrag zur Biodiversitätsstrategie des Bundes.

Zerstörter Fichtenwald nach dem Orkan "Friederike" am 18. Januar 2018  
Zerstörter Fichtenwald nach dem Orkan "Friederike" am 18. Januar 2018
Johann Georg von Langen (1699-1776)

Johann Georg von Langen (1699-1776) war ein bedeutender Forstmann. Er gilt als einer der Väter der nachhaltigen Forstwirtschaft.

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