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Vorstellung des Nährstoffberichtes


Agrarminister Meyer: „Niedersachsen muss
beim Düngemanagement handeln"
Landwirtschaftskammer legt transparenten Nährstoffbericht vor

HANNOVER. Niedersachsen ist deutschlandweit Vorreiter und legt als erstes Bundesland eine umfassende Dokumentation der Nährstoff-Kreislaufwirtschaft vor. Der im Auftrag des niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums von der Landwirtschaftskammer (LWK) Niedersachsen erstellte „Nährstoffbericht 2012/2013" verschafft erstmals eine Übersicht darüber, wo wieviel Wirtschaftsdünger und Gärreste erzeugt und ausgebracht werden. „Das ist eine in dieser Form noch nie dagewesene umfassende Bestandsaufnahme der Nährstoffströme", lobte Niedersachsens Agrarminister Christian Meyer die Autoren der Untersuchung.

Grundlage des Berichtes sind elektronische Meldedaten, die von den meldepflichtigen Betrieben in eine Datenbank der LWK nach den Vorgaben der Landesverordnung über die Meldepflicht für Wirtschaftsdünger (seit Juli 2012 in Kraft) gemeldet wurden. Insgesamt haben 10.388 Abgeber mit 112.000 Einzelmeldungen die Nährstoffabgabe unter Angabe der Wirtschaftsdüngerart, der Menge, des Transporteurs sowie der Adressen von 17.878 aufnehmenden Betrieben dokumentiert.

Die hohe Beteiligung am Meldeverfahren zeigt, dass die landwirtschaftlichen Betriebe die Bedeutung einer transparenten Nährstoff-Kreislaufwirtschaft erkannt haben, so die Fachleute der Landwirtschaftskammer Niedersachsen.

„Die Zahlen verdeutlichen, in welchen Regionen möglicherweise zu viel Dünger auf Feld und Wiese landet. Das ist zugleich ein Auftrag, gegenzusteuern." Der nun vorgelegte Nährstoffbericht der Landwirtschaftskammer müsse „zu zügigen Konsequenzen führen", so der Landwirtschaftsminister an diesem Mittwoch in Hannover. „Denn es kann kein Zweifel mehr daran bestehen, dass wir umgehend handeln müssen. Niedersachsen muss sein Grundwasser vor nicht sachgerechter Überdüngung schützen", sagte Meyer.

Der Untersuchung zufolge fallen in Niedersachsen in der Tierhaltung rund 39 Millionen Tonnen Gülle und etwa acht Millionen Tonnen Festmist an. Davon werden rund sechs Millionen Tonnen zur energetischen Nutzung in Biogasanlagen eingesetzt. In Niedersachsen wurden rund 15 Millionen Tonnen Wirtschaftsdünger und Gärreste an andere Betriebe im eigenen Umfeld oder in andere Regionen und Bundesländer zur Düngung von Acker- und Grünlandflächen abgegeben. Die anfallenden Nährstoffmengen aus Wirtschaftsdüngern und Gärresten betragen im Durchschnitt landesweit 119 Kilogramm organischem Stickstoff und 60 Kilogramm Phosphat pro Hektar landwirtschaftlicher Fläche. Aufgrund der noch nicht berücksichtigten Menge von mineralischem Stickstoff, der zusätzlich eingesetzt wird, ergibt sich landesweit ein Stickstoffüberschuss. Dieser Überschuss bedeutet in einigen Regionen eine Belastung für das Grundwasser. Mit Blick auf die anstehende Verschärfung des Düngerechts sehen Landesregierung und Landwirtschaftskammer deshalb großen Handlungsbedarf für weiterführende ordnungsrechtliche Maßnahmen wie ein besserer Informationsabgleich von Landkreisen und Landwirtschaftskammer für ein Düngekataster. Gleichzeitig müsse die Düngeberatung intensiviert werden, hieß es am Mittwoch. Notwendig seien überdies innovative Lösungen für die technische Aufbereitung und den Transport von Wirtschaftsdüngern.

Nach Bilanzierung des Wirtschaftsdüngeranfalls der Im- und Exporte sowie unter Berücksichtigung der landbaulich verwerteten Klärschlammmengen fehlen den Überschusslandkreisen der Weser-Ems-Region insgesamt rund 65.000 Hektar für eine boden- und umweltverträgliche Düngung. „Diese Zahlen sprechen eine deutliche Sprache", sagte Agrarminister Meyer. „Niedersachsen hat im Westen deutlich zu hohe und nicht flächenangepasste Tierbestände." So weisen nach seinen Worten einige Landkreise eine zu hohe Viehdichte im Verhältnis zur vorhandenen landwirtschaftlichen Fläche auf. „Um dort Wirtschaftsdünger gemäß der Grenzen der Düngeverordnung ordnungsgemäß auszubringen, müssen noch weitere 5,8 Mio. kg Phosphor (P2O5) in Form von Gülle oder Festmist in andere Landesteile transportiert werden. Erfolge dies nicht oder nicht in ausreichendem Maße, komme es zur Überdüngung der Felder. Tatsächlich steigen nach Angaben des Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverbands (OOWV) seit 2006/2007 wieder die Nitratwerte in diesen Regionen im Grundwasser. „Das hat auch mit der Zunahme der Tierhaltung und der Zunahme des Nährstoffanfalls aus Biogasanlagen zu tun", sagte Niedersachsens Agrarminister.

Insgesamt rund 60 Prozent des Grundwassers seien in Niedersachsen in einem schlechten Zustand und durch zu hohe Nitratwerte belastet. „Diese Flächen liegen häufig in den Tierhaltungsregionen in Westniedersachsen, wo die Tierzahl deutlich höher ist als die Zahl der verfügbaren Flächen für die ordnungsgemäße Ausbringung von Wirtschaftsdüngern", sagte Meyer. Deshalb fördere die neue Landesregierung den Ausbau der Tiermast nicht, sondern habe im Gegenteil die Auflagen deutlich verschärft. Meyer nannte eine Vielzahl an Maßnahmen wie die Streichung von indirekten Subventionen, Filterpflicht für Schweineställe, Keimgutachten, Antibiotika-Minimierung, Baurechtsnovelle sowie Tierschutzplan.

Nach Analyse der Daten und der Rechtslage wird das niedersächsische Landwirtschaftsministerium nun im Expertendialog über notwendige Konsequenzen beraten.

Niedersachsen ist aufgrund der EU-rechtlichen Vorgaben zum Schutz des Wassers verpflichtet, alle notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, um die von der Wasserrahmenrichtlinie gesetzten Qualitätsvorgaben zu erreichen.

„Wir dürfen nicht länger unsere Augen vor dieser Zukunftsaufgabe verschließen", forderte Meyer. „Wenn wir jetzt nicht handeln, fügen wir den Äckern und Wiesen unseres Landes Schaden zu, der nicht wieder gutzumachen ist." Er sei froh, dass das Problem bei allen Beteiligten erkannt sei und diese ihn zu einer deutlichen Verbesserung der Düngeregeln auffordern.

Der komplette Nährstoffbericht für Wirtschaftsdünger in Niedersachsen ist auf der Homepage des Landwirtschaftsministeriums abrufbar unter: www.ml.niedersachsen.de .

Ein weiteres Dokument fasst die Schwerpunkte des Berichtes sowie die Situation in den einzelnen Landkreisen zusammen, diese Darstellung ist ebenfalls unter dieser Adresse abrufbar.

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