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Aktualisierte Verzehrempfehlung für Fische weiterhin gültig

Abschlussbericht des Flussfischmonitorings liegt vor – Hohe PFOS-Gehalte


Bereits am 17. April 2020 hat das Niedersächsische Verbraucherschutzministerium (ML) seine Verzehrempfehlung für Fische aus niedersächsischen Flüssen aktualisiert. Grundlage der Empfehlung waren aktuelle Erkenntnisse aus einem Monitoring in niedersächsischen Flüssen. Jetzt liegt mit dem Abschlussbericht des Monitorings die vollständige Auswertung aller Schadstoffuntersuchungen vor. Die im April aktualisierte Empfehlung, im Sinne des vorbeugenden Verbraucherschutzes Abstand von regelmäßigen Verzehr von Fisch aus Flüssen in Niedersachsen zu nehmen, bleibt weiterhin bestehen.

Im Rahmen des Monitorings untersuchte das Niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) im Auftrag des ML insgesamt 164 Brassen, Aale und Zander aus Elbe, Ems, Weser, Aller und Oste auf perfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS), Dioxine, polychlorierte Biphenyle (PCB), Pestizide und Industriechemikalien aus dem Spektrum der chlorierten Kohlenwasserstoffe sowie auf Schwermetalle. Die Auswertung der ebenfalls durchgeführten Untersuchungen auf antibiotikaresistente Keime konnte bedingt durch die Coronapandemie noch nicht vollständig abgeschlossen werden. Diese Ergebnisse werden zu einem späteren Zeitpunkt veröffentlicht.

Die Ergebnisse ergeben folgendes Bild:

In allen untersuchten Fischproben wurde Perfluoroctansulfonsäure (PFOS) nachgewiesen. Der Median der PFOS-Konzentrationen im Muskelgewebe der Fische beträgt 7,8 μg/kg.

Im Hinblick auf Dioxine, dioxinähnliche und nicht-dioxinähnliche polychlorierte Biphenyle (dl-PCB, ndl-PCB) bestätigen die aktuellen Ergebnisse die Erkenntnisse aus vorangegangenen Untersuchungsprogrammen: Es ist nach wie vor eine hohe Belastung von Aalen und Brassen mit Dioxinen, dl-PCB und ndl-PCB festzustellen. Die neu in das Monitoringprogramm aufgenommenen Zander sind hingegen weniger stark belastet. Bei Aalen aus der Elbe wurde eine vergleichsweise hohe Belastung mit einigen Chlorpestiziden festgestellt. Vor allem auf Grund der durch die Europäische Lebensmittelüberwachungsbehörde (EFSA) erfolgten Neubewertung des von perfluorierten Alkylsubstanzen ausgehenden gesundheitlichen Risikos, aber auch auf Grund der Ergebnisse für Dioxine, dioxinähnliche und nicht-dioxinähnliche polychlorierte Biphenyle rät das ML Anglerinnen und Anglern vom regelmäßigen Verzehr von Fisch aus Flüssen in Niedersachsen ab.

Hintergrund:

Durch die EFSA erfolgte im Dezember 2018 die vorläufige Neubewertung der toxikologischen Referenzwerte für die beiden PFAS-Leitsubstanzen, nämlich Perfluoroctansulfonsäure (PFOS) und Perfluoroctansäure (PFOA) durch die Festlegung eines sogenannten TWI-Wertes (Tolerable Weekly Intake). Der TWI-Wert gibt die maximal tolerierbare wöchentliche Menge einer Substanz pro kg Körpergewicht an, unterhalb der bei lebenslanger Aufnahme keine nachteiligen, gesundheitlichen Auswirkungen erwartet werden. Der für PFOS empfohlene tolerierbare Wert einer täglichen Aufnahmemenge wurde im Rahmen der Neubewertung von 150 ng/kg Körpergewicht auf jetzt 1,8 ng/kg Körpergewicht abgesenkt, was einem TWI-Wert von 13 ng/kg Körpergewicht entspricht. Für PFOA wurde in der vorläufigen Neubewertung die empfohlene tägliche Aufnahmemenge von 1500 ng/kg Körpergewicht auf 0,8 ng/kg Körpergewicht abgesenkt, woraus sich ein TWI-Wert von 6 ng/kg Körpergewicht ableitet.

Bei einem täglichen Verzehr von 300 g Fischfilet durch eine 60 kg wiegende Person (Worst-Case Szenario der EFSA) wären, basierend auf den aktuellen Werten nach vergleichbaren Modellrechnungen (und Vereinfachungen), PFOS-Gehalte im Muskelgewebe von Fischen ab 0,36 µg/kg und PFOA-Gehalte ab 0,16 μg/kg (Orientierungswerte) als problematisch anzusehen.

Unter dem folgenden Link finden Sie den Abschlussbericht des Schadstoffmonitorings in Flussfischen aus niedersächsischen Flussabschnitten zum Download: Flussfischmonitoring - Abschlussbericht (PDF, 338 KB, nicht barrierefrei) .

Unter dem folgenden Link finden Sie die ausführliche Verzehrempfehlung zum Download: Verzehrempfehlung Flussfische in Niedersachsen (PDF, 283 KB, barrierefrei)


 

Flussfischmonitoring Niedersachsen 2018/2019 - Abschlussbericht und Verzehrempfehlung

Hier finden Sie auf einen Blick die Verzehrempfehlung zu Fischen aus Flüssen in Niedersachen (barrierefrei) sowie den Abschlussbericht zum Flussfischmonitoring 2018/2019 (nicht barrierefrei)

 Verzehrempfehlung für Flussfische in Niedersachsen_Stand 20. Mai 2020 (PDF, 283 KB, barrierefrei)
(PDF, 0,28 MB)

 Flussfischmonitoring 2018 und 2019 - Abschlussbericht
(PDF, 0,23 MB)

Pressemitteilung vom 19. Juli 2019 zur Verzehrempfehlung für Ochtum-Fische

Verzehrempfehlung für Fisch aus der Ochtum

Fisch aus der Ochtum (Nebenfluss der Weser) sollte nicht verzehrt werden. Hier finden Sie eine aktualisierte Verzehrempfehlung (Stand Dezember 2019):

Bisherige Verzehrempfehlung für Fisch aus Flüssen in Niedersachsen

In Fischen aus niedersächsischen Flußabschnitten wurde in 2009 und 2010 der Gehalt verschiedener Kontaminanten ermittelt. Untersucht wurden Fische aus den Flüssen Elbe, Ems, Weser, Leda und Aller auf Dioxine und dioxinähnliche PCB, Pestizide und Industriechemikalien aus dem Spektrum der chlorierten Kohlenwasserstoffe sowie perfluorierte Tenside und Schwermetalle. Zu den Ergebnisse kommen Sie hier.

Artikel-Informationen

25.05.2020

Ansprechpartner/in:
Pressestelle

Nds. Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz
Calenberger Str. 2
30169 Hannover
Tel: 0511/120-2136
Fax: 0511/120-2382

http://www.ml.niedersachsen.de

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