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Agrarministerin Barbara Otte-Kinast: „Nährstoffüberschüsse schrumpfen deutlich“

Nährstoffbericht 2019/20: Erstmals ausgewogene Stickstoffdüngung auf Landesebene


Hannover: „Niedersachsen ist auf dem richtigen Weg, um eine ausgeglichene Nährstoffbilanz zu erreichen“, kommentierte Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast heute (10.3.) die Ergebnisse des 8. Nährstoffberichtes 2019/20. Die Bilanz: Mit Cloppenburg überschreitet nur noch ein Landkreis die Obergrenze für organischen und organisch-mineralischen Stickstoff. Erstmals erreicht Niedersachsen auf Landesebene eine nahezu ausgeglichene Stickstoffdüngebilanz.

Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast präsentierte am heutigen Mittwoch (10.3.) den insgesamt 8. Nährstoffbericht. Es ist zugleich der erste Nährstoffbericht auf Grundlage der novellierten Düngeverordnung vom April 2020. „Die Nährstoffüberschüsse schrumpfen deutlich und zeigen eine sehr positive Entwicklung“, betonte Otte-Kinast erfreut.

Die Düngebehörde der Landwirtschaftskammer Niedersachsen (LWK) hat die Wirtschaftsdüngerbilanz erstellt. Das Ergebnis: Die Verbringung von Wirtschaftsdüngern und Gärresten stieg im Meldejahr 2019/2020 auf einen neuen Rekordwert von 37,9 Millionen Tonnen Frischmasse (Vorjahr: 35,7 Mio. Tonnen). Gute Wetterbedingungen begünstigten zusätzlich das Aufbringen von organischem Dünger im Frühjahr.

Hinzu kam ein weiterhin rückläufiges Nährstoffaufkommen aus der Tierhaltung, da die Tierzahlen besonders im Bereich Weser-Ems sinken. Das wirkt sich positiv auf den Stickstoff aus: Insbesondere durch einen historischen Tiefstand des Mineraldüngerabsatzes (rund 200.000 Tonnen) sowie eine weiter rückläufige Stickstoffausbringung aus organischen Düngemitteln hat sich das Stickstoff-Düngesaldo (berechneter Bedarf vs. Düngung) von rund 31.000 Tonnen auf nur noch rund 692 Tonnen verringert. Zugleich überschreitet mit Cloppenburg nur noch ein Landkreis die gesetzliche Stickstoff-Obergrenze von 170 kg N pro Hektar. Im vorherigen Berichtszeitraum lagen landesweit noch fünf Landkreise über dieser Grenze. Damit hat sich der Stickstoffdüngesaldo so weit verringert, dass erstmals eine nahezu ausgewogene Stickstoffdüngebilanz auf Landesebene errechnet wurde.

„Mit unserem Vorgehen erreichen wir die geforderten Ziele. Eine stringente Umsetzung des Düngerechts sowie eine effektive risikoorientierte Überwachung, unterstützt durch elektronisch erfasste Meldedaten führen zum Erfolg“, erklärte Ministerin Otte-Kinast. Positiv erwähnte sie in diesem Zusammenhang auch, dass noch nie zuvor so viel Gülle und Mist als Substratinput in Biogasanlagen eingesetzt wurden.

„Ohne das entschlossene und engagierte Handeln unserer Landwirtinnen und Landwirte wäre diese positive Entwicklung auf Landesebene nicht möglich gewesen“, betonte Ministerin Barbara Otte-Kinast. So wurde der Nährstoffüberschuss von 80.000 Tonnen Stickstoff im Berichtszeitraum 2014/15 kontinuierlich auf nunmehr lediglich 692 Tonnen auf Landesebene reduziert.

In Bezug auf Phosphor besteht mit rund 28.000 Tonnen Phosphat weiterhin ein großes Einsparpotential und somit hoher Handlungsbedarf. „Das Ziel, einen günstigen Zustand des Grund- und Oberflächenwassers zu erreichen, bedarf in Niedersachsen weiterhin starker Anstrengungen“, stellte die Landwirtschaftsministerin fest.

Das laufende Vertragsverletzungsverfahren wegen unzureichender Umsetzung der EG-Nitratrichtlinie wurde nach Inkraftsetzung der novellierten Düngeverordnung zwar vorübergehend ruhend, jedoch noch nicht abschließend eingestellt.

Dies ist auch einer der Gründe, warum die Länder dazu verpflichtet sind, besonders mit Nitrat belastete und eutrophierte Gebiete nach den Anforderungen einer allgemeinen Verwaltungsvorschrift des Bundes, kurz AVV, auszuweisen.

In Niedersachsen erfolgt die Neuausweisung der sogenannten roten Gebiete in einem dreistufigen Verfahren nach den Anforderungen der AVV. Die am 22.12.2020 vorgestellte Gebietskulisse wird derzeit überarbeitet. Ein überarbeiteter Verordnungsentwurf wird in Kürze in eine weitere zweiwöchige Verbändeanhörung gehen.

„Dieser achte Nährstoffbericht dokumentiert, dass die Betriebe das Nährstoffmanagement ernsthaft verändert haben und die Maßnahmen unserer Landwirtschaftskammer zur Reduzierung der Nährstoffüberschüsse erfolgreich sind“, betonte Gerhard Schwetje, Präsident der Landwirtschaftskammer Niedersachsen (LWK).

„Der Absatz von Mineraldünger ist weiter rückläufig. Überall dort, wo organischer Dünger zur Verfügung steht, wird zunehmend nur noch wenig mineralischer Dünger ergänzt“, hob Kammerpräsident Gerhard Schwetje in seiner Bilanz hervor.

„Statt Mais geht eine wachsende Menge Wirtschaftsdünger in die Biogasanlagen, die Menge separierten Wirtschaftsdüngers nimmt zu, Schweine und Geflügel werden immer häufiger mit nährstoffreduziertem Futter versorgt“, zählte der Kammerpräsident weitere positive Entwicklungen auf.

„Damit sind die Betriebsleiter und Betriebsleiterinnen offensichtlich unseren Empfehlungen gefolgt. Dies ist eine große Auszeichnung für die Arbeit unserer Beraterinnen und Berater“, betonte Schwetje. Die Landwirtschaft in Niedersachsen sei nicht nur sehr leistungsfähig, sondern auch sehr anpassungsfähig.

Gleichwohl bleibe auf dem Gebiet der Düngung noch eine Menge zu verbessern, sagte der Kammerpräsident weiter: „Auf regionaler Ebene bestehen in einigen Landkreisen noch Nährstoffüberschüsse, während andernorts bereits unterhalb des Bedarfs der Pflanzen gedüngt wird.“

Daher seien weiterhin eine fundierte Beratung sowie betriebliche Anstrengungen nötig, um auch flächendeckend eine Düngung nach den Vorgaben des Düngerechts zu etablieren.

Aus Sicht der Landwirtschaftskammer haben sich laut Schwetje regionale und überregionale „Runde Tische“ zum Nähstoffmanagement sehr bewährt, wenn es darum geht, die Bedürfnisse der betroffenen Betriebe und die Anforderungen gesetzlicher Änderungen möglichst praxisnah in Einklang zu bringen. „Lohnen könnte sich ein vergleichbares Vorgehen auch bei den Herausforderungen in den roten Gebieten mit nitratbelasteten Grundwasserkörpern“, sagte der Kammerpräsident. Auch diese Herausforderungen können die Betriebe nach Schwetjes Einschätzung meistern, wenn die Rahmenbedingungen und die Perspektive stimmen: „Mit Perspektive meine ich konkret die Aussicht auf Erleichterungen bei der Flächenbewirtschaftung, wenn die Nährstoffsalden in den kommenden Jahren weiter sinken.“

Den kompletten Nährstoffbericht für Niedersachsen und weitere Informationen erhalten Sie unter https://www.ml.niedersachsen.de/startseite/themen/landwirtschaft/pflanzen_und_dungemanagement/nahrstoffbericht/naehrstoffbericht-132269.html.

Hintergrundinformationen zum Nährstoffbericht

Hier finden Sie die Anlagen zur Pressemitteilung zum Download

Artikel-Informationen

erstellt am:
10.03.2021

Ansprechpartner/in:
Pressestelle

Nds. Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz
Calenberger Str. 2
30169 Hannover
Tel: 0511/120-2136
Fax: 0511/120-2382

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