Zehn neue Projekte für die nachhaltige Landentwicklung starten
Flurbereinigungsprogramm 2026-2030 mit insgesamt 13,5 Millionen Euro freigegeben
Hannover. Ländliche Wege ausbauen, Maßnahmen zum Klima- und Gewässerschutz ergreifen und landwirtschaftliche Flächen neu ordnen: Unter dem Oberziel der ländlichen Neuordnung fördert das Niedersächsische Landwirtschaftsministerium ab diesem Jahr in den Landkreisen Aurich, Diepholz, Friesland, Goslar, Helmstedt, Holzminden, Verden und der Region Hannover zehn neue Flurbereinigungsverfahren mit insgesamt 13,5 Millionen Euro. Die Verfahren werden von den vier zuständigen Ämtern für regionale Landesentwicklung Braunschweig, Leine-Weser, Lüneburg und Weser-Ems bearbeitet.
Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte: „Flurbereinigungsverfahren stärken den ländlichen Raum. Sie helfen unter anderem ländliche Wege zu sanieren, Nutzungskonflikte zwischen Landwirtschaft, Natur- und Klimaschutz zu lösen und landwirtschaftliche Flächen sinnvoll zusammenzulegen. Die Mitarbeitenden unserer Ämter für regionale Landesentwicklung unterstützen den gesamten Prozess mit Sachverstand und Expertise und sorgen so für tragfähige Lösungen vor Ort.“
Zugleich verwirklichen die neuen Flurbereinigungsverfahren auch ökologische Ziele wie Fließgewässerentwicklung, Biotopvernetzung sowie Moor-, Klima- und Bodenschutz. Weitere Aspekte sind die Ausweisung von Retentionsflächen (zeitweise überflutete Flächen zur Aufnahme von Hochwasser) für den Hochwasserschutz und die Unterstützung der Gemeindeentwicklung für den Tourismus.
Alle Projekte haben eine intensive Vorbereitungsphase mit einer engen Bürgerbeteiligung durchlaufen. Es handelt sich um neun „vereinfachte Flurbereinigungsverfahren“ und eine „beschleunigte Zusammenlegung“. Die einzelnen Verfahren erhalten eine Förderung von bis zu zwei Millionen Euro.
Projekte im Überblick:
- Landkreis Aurich: Im Bereich des Fehntjer Tiefs werden durch ein neues Flächenmanagement Nutzungskonflikte zwischen Landwirtschaft und Naturschutz aufgelöst. Uferbereiche werden in Kooperation mit dem Landkreis Aurich ökologisch aufgewertet, Lebensräume für Wiesenvögel verbessert und neue Radwegeverbindungen geschaffen. Eine geplante Kurbelfähre soll den Fahrradtourismus stärken.
- Landkreis Diepholz: Der Nährstoffeintrag in den Dümmer soll reduziert werden. Dazu soll ein Schilfpolder an der Hunte angelegt werden. Die Flurbereinigung schafft die notwendigen Flächen und ordnet sie so, dass sowohl Naturschutzmaßnahmen als auch landwirtschaftliche Nutzung sinnvoll möglich bleiben.
- Landkreis Friesland: Im Naturschutzgebiet Bockhorner Moor planen der Landkreis Friesland und die Naturschutzstiftung Region Friesland-Wittmund-Wilhelmshaven eine Teilvernässung. So werden die Zersetzung des Torfkörpers und die Freisetzung klimaschädlicher Gase reduziert. Durch eine gezielte Flächenneuordnung werden Landwirtschaft, Natur- und Klimaschutz besser aufeinander abgestimmt.
- Landkreis Goslar: Im Naturschutzgebiet „Harzer Bergwiesen“ bei St. Andreasberg sind viele Flächen stark zersplittert. Das erschwert eine nachhaltige Bewirtschaftung. Durch gezielte Neuordnung der Flächen des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) soll durch größere, wirtschaftlich nutzbare Einheiten eine angepasste Nutzung dauerhaft sichergestellt werden. So lassen sich Naturschutz und landwirtschaftliche Nutzung besser miteinander vereinbaren.
- Landkreis Helmstedt: Die Scheppau wird seit mehreren Jahren naturnah durch den NLWKN umgestaltet. Aus einem begradigten Bach entsteht Schritt für Schritt ein strukturreiches Gewässer mit Auenlandschaft. Für die Umsetzung weiterer ökologisch wertvollen Maßnahmen müssen Flächen entlang des Gewässers neu geordnet werden.
- Landkreis Holzminden: Kleine und verstreute land- und forstwirtschaftliche Flächen werden zusammengelegt, um die Bewirtschaftung zu erleichtern. Gleichzeitig wird das ländliche Wegenetz verbessert. Maßnahmen zur Gewässerentwicklung an der Lenne werden durch den Landkreis Holzminden zusammen mit dem zuständigen Unterhaltungsverband für die Lenne für die Neuordnung der Flächen begleitet.
- Region Hannover: In Teilen des Trunnenmoors soll ein Niedermoor wiedervernässt werden. Ziel des gemeinsamen Projektes von Region und NLWKN ist es, wertvolle Lebensräume zu erhalten und das Moor als natürlichen CO₂-Speicher zu stärken. Dafür werden Flächen so neu geordnet, dass die notwendigen Wassermaßnahmen umgesetzt werden können.
- Landkreis Verden: Entlang der Aller und ihrer Auen werden Lebensräume für Tiere und Pflanzen verbessert. Geplant sind neue Auengewässer, Gewässerrandstreifen und artenreiches Grünland. Gleichzeitig profitieren landwirtschaftliche Betriebe durch bessere Wege und größere, zusammenhängende Flächen.
Detaillierte Informationen zu den einzelnen Projekten können bei den zuständigen Ämtern für Regionale Landesentwicklung erfragt werden.
Hintergrund
Flurbereinigungen in Niedersachsen verbessern die Struktur landwirtschaftlicher Flächen und tragen dazu bei, die Lebens- und Arbeitsbedingungen im ländlichen Raum zu sichern. Gleichzeitig unterstützten sie öffentliche Vorhaben wie Naturschutz- oder Infrastrukturprojekte durch gezieltes Flächenmanagement und mit dem Ziel, die Landaufbringung sozial verträglich zu gestalten und Konflikte der Landnutzungsansprüche aufzulösen.
Seit 2013 ist der Nachweis ökologischer Maßnahmen Voraussetzung für neue Verfahren. Dadurch werden neben landwirtschaftlichen Schwerpunkten auch Umwelt- und Naturschutz systematisch in die Projekte integriert.
Weitere Informationen: https://www.ml.niedersachsen.de/startseite/themen/entwicklung_des_landlichen_raums/zile_zuwendungen_zur_integrierten_landlichen_entwicklung/verfahrensablaeufe-nach-dem-flurbereinigungsgesetz-50357.html