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erstellt am:
16.07.2026
Oldenburg/Prinzhöfte/Hannover. Seit Juli 2024 dürfen Anbauvereinigungen in Deutschland Cannabis legal anbauen. Wie stellen sich die Abläufe in einer Anbauvereinigung zwei Jahre später dar? Wo gibt es eventuell Herausforderungen für die Vereine? Diese Fragen standen im Mittelpunkt eines Informationsbesuchs von Verbraucherschutzministerin Miriam Staudte bei CSC Sativum in Oldenburg im Rahmen der diesjährigen Sommertour. Die Anbauvereinigung, die 2023 gegründet worden ist und rund 460 Mitglieder hat, baut 17 Sorten Cannabis mit unterschiedlichem THC-Gehalt und Eigenschaften an, über die aufgeklärt wird. Dabei war der Anfang für Gunnar Gerdes und Marvin Becker mit der Suche nach geeigneten Räumlichkeiten nicht einfach. Die Anbaufläche der Pflanzen befindet sich an einem anderen Ort als die Abgabestelle. Im Gespräch mit der Ministerin stand der Wunsch des Vorstands nach einheitlichen Vorgaben für die Messung des THC-Gehalts im Vordergrund.
Ministerin Miriam Staudte: „Es war beeindruckend, mit welch‘ hohem Verantwortungsbewusstsein der Vorstand die Anforderungen an Anbauvereinigungen umsetzt. Nur durch dieses Engagement ist es möglich, dass das Ziel des Gesetzes, einen legalen Zugang zu getestetem Cannabis zu bieten und den Schwarzmarkt mit all‘ seinen Folgen einzudämmen, erreicht werden kann.“
Weiter ging es zum Hof Pleus in Prinzhöfte (Landkreis Oldenburg). Der Familienbetrieb besteht seit 1873 und war zunächst ein klassischer landwirtschaftlicher Gemischtbetrieb mit Rindern, Schweinen und Hähnchen sowie Ackerbau. Heute werden auf dem Hof Hähnchen und Rinder in extensiver Haltung aufgezogen. Das Fleisch der Tiere wird in der eigenen Metzgerei verarbeitet. Im Selbstbedienungsladen „Lütje Stuv“ werden Frischfleisch, die Wurstspezialitäten und selbst hergestellte Fertiggerichte verkauft. Christina Pleus legt Wert darauf, dass möglichst das ganze Tier verarbeitet wird – bis hin zu den Knochen, die ausgekocht werden. Dreh- und Angelpunkt der Herstellung ist die Verarbeitungsküche, die kürzlich neu ausgestattet und mit einer modernen Kältetechnik versehen wurde. Die Modernisierungen wurden vom Landwirtschaftsministerium mit einer Förderung über eine Richtlinie für regionale Wertschöpfung unterstützt.
Ministerin Miriam Staudte: „Es ist schön zu sehen, dass ein Direktvermarktungsbetrieb mit so langer Tradition fortgeführt wird und in diesem Bereich investiert wird. Hier ist gewährleistet, dass keine lange Transportwege zur Schlachtung nötig sind. Solche Strukturen unterstützen wir gerne mit unserer Förderrichtlinie. Wichtig ist, dass die Verbraucherinnen und Verbraucher dies wertschätzen und dem Betrieb ihre Treue halten.“
Den Abschluss der dreitägigen Sommerreise bildete ein Stopp beim Institut für Biokunststoffe und Bioverbundwerkstoffe der Hochschule Hannover. Während es einen Tag zuvor im Landkreis Emsland auf einer Fläche zunächst um den Anbau von Binsen ging, stand nun der wissenschaftliche Teil des I-RoBi-Projekts an. In der Produktionshalle der Hochschule geht es nun darum, Binsen zu Fasern aufzubereiten und das Material in verschiedenen Anwendungen zu testen – etwa zur Herstellung von Dämmstoffen oder Füllstoff für Kunststoffe. Dafür werden die geernteten Binsen von Maschinen zunächst zerkleinert, bevor sie anschließend zerfasert und von Feinstpartikeln getrennt werden. Das Projekt wird mit rund 286.800 Euro im Programm der Europäischen Innovationspartnerschaft (EIP Agri) gefördert.
Ministerin Miriam Staudte: „Es war spannend zu sehen, welche Produktionsschritte wir bei der Nutzung von nachwachsenden Rohstoffen wie der Binse mit unserer Förderung möglich gemacht haben. Jetzt ist es wichtig, dass die Industrie die Produkte mit der guten Ökobilanz auch annimmt. Nur so kann es mittelfristig gelingen, die Rohstoffe in erdölbasierten Produkten zu ersetzen.“