Artikel-Informationen
erstellt am:
10.06.2026
Hannover/Bad Nenndorf. Die Sieger des Wettbewerbs „Torfreduziert in Niedersachsen – innovativ und nachhaltig für den Garten von morgen“ hat Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte gestern in feierlichem Ambiente auf der Landesgartenschau (LaGa) in Bad Nenndorf ausgezeichnet. Gesucht wurden in einem gemeinsamen Aufruf des Ministeriums und des Torfersatzforums Niedersachsen (TEF) herausragende Beiträge von Unternehmen, die den Einsatz von Torf reduzieren und Torfersatzprodukte erfolgreich vermarkten. Ministerin Staudte: „Mit den drei Siegern haben wir echte niedersächsische Vorbildbetriebe. Alle Betriebe zeigen, wie sich Torfreduktion und -substitution – trotz individueller Herausforderungen – wirtschaftlich, kreativ, ressourceneffizient und nachhaltig umsetzen lässt. Dazu herzlichen Glückwunsch! Vom Wettbewerb insgesamt erhoffe ich mir Impulse für die Branche und die Wissenschaft – und damit auch für den gesamten Gartenbau.“
Eine fachkundige Jury hat im Frühjahr die Beiträge sorgfältig geprüft, drei Gewinner ausgewählt und der Ministerin zur Prämierung vorgeschlagen. Vorsitzender der Jury war Prof. Bernhard Beßler, Leiter Geschäftsbereich Gartenbau bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen (LWK). Zusammen mit Vivien Ortmann, Geschäftsführerin der Marketinggesellschaft der niedersächsischen Land- und Ernährungswirtschaft (MGN) führte Beßler durch die Veranstaltung, zu der außer teilnehmenden Betrieben zahlreiche Personen aus Fachöffentlichkeit, Verwaltung, Politik und Verbänden eingeladen waren.
Den 1. Platz belegte der Betrieb „Blumen Klefer“ aus Augustfehn im Landkreis Ammerland (Preisgeld: 5000 Euro), gefolgt von „Garten Grewe e.K.“ aus Rotenburg/Wümme (2500 Euro) und „Gartenbau Acquistapace GbR“ aus Westerstede, Landkreis Ammerland (750 Euro). Bewertet wurden unter anderem Innovationsgrad und Originalität der Beiträge ebenso wie die Reichweite der Kundenansprache, die Wirksamkeit zur Absatzsteigerung torfreduzierter Produkte sowie Nachhaltigkeit und Umweltfreundlichkeit.
Der Wettbewerbssieger „Blumen Klefer“ hat 2015 mit der schrittweisen Reduzierung des Torfanteils in den Substraten begonnen und 2025 den gesamten Betrieb über mehrere Sparten hinweg auf „Torffreiheit“ umgestellt. Zusätzlich wird ein eigenes Produkt torffreier Erde vermarktet. Inhaber Dirk Klefer legt großen Wert auf die Information der Kundinnen und Kunden über Preistafeln und die direkte Beratung. Klefer hat mit dem Konzept im Jahr 2025 den gleichen Mengenabsatz wie in 2024 erzielt, „ohne kritische Nachfragen oder Reklamationen“, wie Klefer berichtet. Der Betrieb liegt in historischer Moorkolonie und hatte sich daher bewusst gegen eine offensive Vermarktung entschieden. Klefer wirkt auch an wissenschaftlichen Projekten mit und teilt seine Erfahrungen mit Berufskolleginnen und Kollegen. Dem Betrieb kommt eine starke Breitenwirkung zu.
Das zweitplatzierte Gartencenter von Jutta Grewe in Rotenburg hat seit 2023 das Erd- und Substratsortiment konsequent auf torffreie Erde umgestellt. Mitarbeitende wurden zu „Botschaftern torffreier Erden“ geschult. Das Grewe-Team setzt die Relevanz von Klimaschutz im Betriebsalltag glaubwürdig um und vertritt dies nach außen. In Kooperation mit einem Erdenlieferanten entwickelte das Unternehmen eine torffreie Zimmerpflanzenerde. Nachdem ein eigener Informationsfilm bei den Kunden nicht die gewünschte Reichweite erzielte, erstellte das Gartencenter einen praktischen „Rezeptzettel“ zum Umgang mit Torfersatzstoffen, der an der Kasse ausgelegt wird und entscheidend zur Aufklärung beiträgt.
Der Westersteder Zierpflanzenbetrieb (3. Platz) von Udo Acquistapace sich mit einem Auszubildenden-Projekt beworben, das sich dem Torfreduktionsziel verschrieben hat. Ziel war es, torfreduzierte Substrate kennenzulernen, Gießintervalle besser zu planen, Düngung anzupassen, das Wurzelbild zu lesen und selbstbewusste Nachwuchskräfte für Nachhaltigkeit in die Branche zu tragen. Erste Ergebnisse zeigen eine Abnahme von Pilzkrankheiten, einen geringeren Bedarf an Pflanzenschutzmitteln, schnellere Bewurzelung und ein Torfersatzprodukt, das sich gut beim Kunden behauptet. Die Ergebnisse sollen der Branche zugänglich gemacht werden.
Im Wettbewerb lagen insgesamt acht Bewerbungen vor – weitere Teilnehmer waren die Treuhandstelle für Dauergrabpflege Niedersachsen/Sachsen-Anhalt GmbH, die Compo GmbH, das Projekt „Naturmemo“, der Betrieb Stauden Junge und „Die Torffrau“.
Im Rahmen eines Fachgespräches mit Dr. Gerlinde Michaelis, Leiterin der Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau Bad Zwischenahn (LWK), appellierte Ministerin Staudte an die prämierten Betriebe, ihre Ideen weiter konsequent nach außen tragen und lud insbesondere die Leuchtturmbetriebe und solche, die es werden wollen, zur Mitarbeit im Niedersächsischen Torfersatzforum ein.
Warum ist Gärtnern ohne Torf wichtig?
Torfreduziertes – und noch besser torffreies – Gärtnern ist aktiver Klimaschutz, denn für den Torfabbau werden Moore entwässert, die zu den wichtigsten Kohlenstoffspeichern der Erde zählen. Deutschlandweit gesehen stellen entwässerte Moorböden eine bedeutende Quelle von Treibhausgasemissionen (THG-Emissionen) dar. Jährlich werden in Deutschland ca. 54 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente aus entwässerten Moorböden emittiert. Dies entsprach im Jahr 2022 zirka 7 Prozent der gesamten THG-Emissionen der Bundesrepublik Deutschland. Niedersachsen, als Moorland Nr. 1, hat daher in dieser Wahlperiode ein Torfabbauverbot mit Übergangsfristen für neue Genehmigungen erlassen. Eine erhebliche Menge an Torf wird jedoch aus dem Baltikum importiert, sodass die Umstellung auf torfreduzierte oder torffreie Substrate über die Landesgrenzen hinaus einen wichtigen Beitrag zum Klima- und Moorbodenschutz leistet.