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Zustand des niedersächsischen Waldes - Wald-Umweltmonitoring

Zwei Forstwissenschaftler der NW-FVA mustern die Baumkronen in einem Fichtenbestand
Die Gesundheit des Ökosystems Wald steht im Blickfeld der Waldzustandserhebung

Die Waldzustandserhebung der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt (NW-FVA) in Göttingen liefert seit 1984 jährlich repräsentative aktuelle Daten zur Vitalität der Waldbäume. Die Bodenzustandserhebung (BZE) gibt einen Überblick über den aktuellen Bodenzustand und die Veränderungen zur ersten Erhebung 1990/91. Auf den Flächen des Intensiven Monitorings werden Erhebungen durchgeführt, die der Identifizierung von Schlüsselprozessen im Waldökosystem und der Bestimmung von Stoffflüssen dienen. Auf Forschungs- und Experimentalflächen werden Un­tersuchungen z. B. zur Waldkalkung durchgeführt.

Die Zeitreihe der Waldzustandserhebung reicht über mehr als drei Jahrzehnte. Sie bietet eine hervorragende Basislinie zur Interpretation möglicher zukünftiger Auswirkungen der Klimaveränderungen auf den Vitalitätszustand unserer Baumarten. Die Außenaufnahmen finden jährlich in der Zeit von Mitte Juli bis Mitte August statt.
Wesentlich beeinflusst wird der Waldzustand vor allem durch

  • Luftschadstoffe
  • unerwünschte Anreicherung der Böden mit Stickstoff
  • natürliche Einflüsse wie Trockenstress oder ausgeprägte Fruchtbildung
  • Insekten wie Borkenkäfer oder blattfressende Schmetterlingsraupen
  • krankheitserregende Pilze
  • die Veränderung unseres Klimas.

Das Forstliche Umweltmonitoring ist anhand objektiver Daten, die in langen Zeitreihen vorliegen, sowohl Entscheidungshilfe für die Politik und die Waldbe­wirtschaftung als auch Erfolgskontrolle für die Wirksamkeit von Maßnahmen.

Insgesamt werden mit diesem in sich abgestimmten stufigen Aufbau des Forst­lichen Umweltmonitorings die Veränderungen in Wäldern vor dem Hintergrund starker Umweltveränderungen durch Stoffeinträge und Klimawandel erfasst und bewertet. Dies dient dem Erhalt artenreicher und stabiler Wälder.

Foto einer Messstation für das forstliche Umweltmonitoring im Solling  
Intensiv-Monitoringfläche im Solling
Ziele und Aufgaben des forstlichen Umweltmonitorings

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft hat verordnet, dass ab 2014 bundesweit folgende Grunddaten zur Vitalität der Wälder und zu Wirkungszusammenhängen in Waldökosystemen zu erheben sind:

1. Kronenzustand
2. Baumwachstum
3. Nadel- und Blattanalysen
4. Bodenvegetation
5. atmosphärische Stoffeinträge
6. Streufall
7. Bodenwasser nach Menge und Zusammensetzung
8. Bodenzustand
9. meteorologische Parameter
10. Phänologie
11. Luftqualität

Die Ergebnisse zu Nr. 1 (Kronenzustand) und Teilergebnisse zu Nr. 2 bis 11 werden im jährlichen Waldzustandsbericht für Niedersachsen veröffentlicht.

Verordnung über Erhebungen zum forstlichen Umweltmonitoring v. 20.12.2013 - Download


Die natürliche zeitliche Veränderung der Waldbestände, Managementmaßnahmen und vor allem biotische und abiotische Einflüsse der Umwelt führen zu Veränderungen in Waldökosystemen.

Hinzu kommt, dass die Ansprüche der Gesellschaft an den Wald weit gefächert sind und auch die gesellschaftlichen Erwartungen einem Wandel der Zeit unterliegen. Noch vor wenigen Baumgenerationen - etwa im 18. Jahrhundert - wurden Waldstandorte durch den ländlichen Versorgungswald mit Waldfeldbau, Vieheintrieb, Streunutzung, Glashütten und Köhlerei beeinflusst. Waldstreuentnahmen in einer Größe von bis zu 2.000 kg Stickstoff pro Hektar wirken sich bis heute entscheidend auf die Stickstoffbilanz von Wäldern aus.

Ab Mitte des 19. Jahrhunderts erfolgte eine Veränderung der Waldstandorte durch die Nutzung fossiler Energie. Für Schwefel- und für Stickstoffeinträge können maximale Werte für Ende der 1970er Jahre angenommen werden. Trotz Reduktionen bei Schwefel und Säure wirken die hohen Werte von damals bis heute nach. Für Stickstoffeinträge in den Wald konnten noch keine vergleichbaren adäquaten Reduktionen erreicht werden.

Schließlich sind auch die zu erwartenden Klimaänderungen wesentlich auf die Nutzung fossiler Energie zurückzuführen. Auch sie nehmen Einfluss auf Waldstandorte. Waldstandorte verändern sich demnach innerhalb von – für Bäume – relativ kurzen Zeiträumen. In den letzten Jahrhunderten sind es im Wesentlichen gesellschaftliche Erfordernisse, die die Änderungen der Umweltbedingungen für den Wald verursachen. Eine wichtige Aufgabe des Umweltmonitorings ist es, diese Veränderungen messend festzuhalten und zu dokumentieren.



Titel der Broschüre Waldbodenzustandsbericht
Titel der Broschüre "Waldbodenzustandsbericht für Niedersachsen und Bremen" (2019)

"Waldbodenzustandsbericht für Niedersachsen und Bremen - Ergebnisse der zweiten Bodenzustandserhebung im Wald (BZE II)" (Herausgegeben 2019 von der NW-FVA Göttingen)

Die Bodenzustandserhebung im Wald (BZE) gibt ein umfassendes Bild des aktuellen Zustands der Waldböden und deren Veränderungen im Laufe der Zeit. Die BZE in Niedersachsen und Bremen basiert auf einem Rasternetz mit insgesamt 272 Aufnahmepunkten. Die BZE I (1990-1991) ergab deutlich kritische Zustände der Waldböden, vor allem infolge atmogener Säureeinträge.

Die Wiederholungsinventur (BZE II, 2006-2009) gibt nun Aufschluss über Veränderungen in Waldböden vor dem Hintergrund zurückgehender Säurebelastungen, weiterhin hoher Stickstoffeinträge und der Wirkung von Kompensationskalkungen. Neben der eingehenden Analyse chemischer Eigenschaften verschiedener Waldböden − von ärmeren Sanden im Tiefland bis hin zu reichen Muschelkalkböden im Bergland − stehen die Kohlen- und Stickstoffspeicherung im Fokus, außerdem Ergebnisse zur Baumernährung, zur Waldvegetation und zum Intensiven Forstlichen Umweltmonitoring.

Der Waldbodenzustandsbericht für Niedersachsen und Bremen liefert wichtige Entscheidungsgrundlagen für Wissenschaft, Praxis und Politik.

Download Broschüre (Universitätsverlag Göttingen)


Waldkalkung mit Hubschrauber
Waldkalkung mit Hubschrauber
Merkblatt Bodenschutzkalkungen

Im Ökosystem Wald kommt dem Boden eine Schlüsselrolle zu. Er ist Standort für die Bäume und die Begleitvegetation, und er ist Reaktionsort für die Stoffaufnahme der Wurzeln und für die Mineralisation durch Bodenfauna und – flora. Als Nährstoff- und Wasserspeicher dient er der Regulation der Stoffflüsse, die in den Boden gelangen und aus dem Boden herausgehen.

Im vorliegenden Merkblatt stehen Aspekte einer standörtlich differenzierten Durchführung der Kalkung im Vordergrund, die sowohl der veränderten Belastungssituation als auch der Entlastung der Böden durch bereits erfolgte Kalkungen Rechnung tragen. Ferner werden Hinweise zur Abwicklung der Kalkungsmaßnahmen von der Ausschreibung bis hin zur abschließenden Dokumentation gegeben, die einen geregelten und störungsfreien Ablauf der Kalkungsmaßnahmen ermöglichen sollen.

Die Anwendung in Niedersachsen wird empfohlen.

 

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