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Klimaschutz

Klimaschutz und Klimawandel sind die großen Herausforderungen unserer Zeit, denen sich auch die Landwirtschaft stellen muss. Dabei hat die Landwirtschaft eine Doppelrolle einerseits als Betroffener des Klimawandels und andererseits als Verursacher von Treibhausgasemissionen. Die Landwirtschaft ist gefordert, einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Deutschland hat sich verpflichtet, seine Treibhausgas-Emissionen bis 2050 um mindestens 80 bis 95 % im Vergleich zu 1990 zu reduzieren. Die Anforderungen hierfür fußen auf dem im Dezember 2015 geschlossenen Klimarahmenübereinkommen von Paris, mit dem sich alle 196 Vertragsstaaten zum Schutz des Klimas verpflichtet haben.

In Niedersachsen entfallen insgesamt rd. 28 Mio. t CO2-Äquivalent und damit 28 % der Treibhausgas-Emissionen pro Jahr auf die Landwirtschaft. Darin enthalten sind rd. 9,4 Mio. t CO2-Äquivalent, die aus der landwirtschaftlichen Nutzung von Moorböden und weiteren kohlenstoffreichen Böden resultieren. Der Verwendung von Torf, die im Erwerbs- und Hobbygartenbau vor allem auch außerhalb Niedersachsens stattfindet, sind rd. 1,7 Mio. t CO2-Äquivalent zuzurechnen.

Nicht nur aus Umwelt-, auch aus Klimaschutzsicht kommt einer Verbesserung der Stickstoffeffizienz der Düngung und damit einer Verringerung der Stickstoff-Überschüsse große Bedeutung zu. Auf Bundesebene setzt sich Niedersachsen dafür ein, dass die Novellierung des Düngerechts mit den aus niedersächsischer Sicht notwendigen Änderungen bis Ende 2016 umgesetzt wird. Gleichzeitig soll der Einsatz von Wirtschaftsdünger wie z.B. Gülle in Biogasanlagen deutlich gesteigert werden.

In den letzten Jahren rückte die Bedeutung der Moore für den Klimaschutz in den Fokus der Überlegungen. Mit der Änderung des niedersächsischen Landes-Raumordnungsprogramms (LROP) 2017 ist in Niedersachsen eine neue Weichenstellung in Richtung klimaschutzorientierte Torferhaltung erfolgt. Mit der LROP-Änderung sind die Vorranggebiete Rohstoffgewinnung Torfabbau deutlich reduziert worden; gleichzeitig sind Vorranggebiete Torferhaltung eingeführt worden, um die mächtigsten Moore Niedersachsens vor torfzehrenden Planungen und Nutzungen soweit wie möglich zu schützen. In Bezug auf entwässerten Moorböden gilt, dass eine der guten fachlichen Praxis entsprechende landwirtschaftliche und erwerbsgärtnerische Nutzung sowie eine der ordnungsgemäßen Forstwirtschaft entsprechende Nutzung, die die Torfzehrung nicht wesentlich beschleunigt, dem raumordnerischen Vorrang Torferhaltung nicht entgegen steht. In den Vorranggebieten Torferhaltung sollen nachhaltige, klimaschonende Bewirtschaftungsweisen zur Unterstützung der Kohlenstoff-Bindungsfunktion gefördert werden [Link: https://www.ml.niedersachsen.de/themen/raumordnung_landesplanung/landesraumordnungsprogramm/aenderung-lrop-verordnung-2017-150456.html].

Flankierend zu den geplanten Festlegungen im LROP soll für den niedersächsischen Produktionsgartenbau eine Minimierung des Torfeinsatzes vorangebracht werden. Dieses Ziel soll im Rahmen einer Selbstverpflichtung und in enger Kooperation mit den betroffenen Akteuren erreicht und durch geeignete Maßnahmen flankiert werden.

Im Zusammenhang hiermit ist in Niedersachsen auch das Niedersächsische Torfersatzforum eingerichtet worden. Durch dieses Forum sollen die Akteure der gesamten Prozesskette vernetzt und Forschungsergebnisse sowie Erfahrungen zu Torfersatzprodukten kommuniziert werden. Dabei gilt es, die hohen Anforderungen an gärtnerische Substrate über die gesamte Prozesskette zu berücksichtigen und neue Lösungsansätze zu finden.

Eine wichtige Vorbildfunktion hat das Land Niedersachsen selbst als Flächeneigentümer. Landeseigene Flächen können genutzt werden, um Projekte des Moor- bzw. Klimaschutzes zu initiieren und zu verwirklichen. Die Arbeiten hierzu werden durch die staatliche Moorverwaltung ausgeführt.

Die niedersächsische Landesregierung hat im Juni 2016 das Programm „Niedersächsische Moorlandschaften“ veröffentlicht; mit dem Programm wird ein Rahmen für die Umsetzung von Zielen des Klimaschutzes in Mooren geschaffen. Auf der Basis der begleitenden Förderrichtlinie „Klimaschutz durch Moorentwicklung“ können auch Projekte zur klimaschonenden Bewirtschaftung von Moorböden gefördert werden.

Immerhin rd. 70 % der niedersächsischen Moorböden werden landwirtschaftlich genutzt. Eine klimaschonende Bewirtschaftung kultivierter Moorböden mit dem Ziel der Verringerung der Treibhausgas-Emissionen ist eine der großen klimapolitischen Zukunftsaufgaben Niedersachsens. Dazu gehört auch die Entwicklung und Erprobung von alternativen Bewirtschaftungsverfahren (sog. Paludikulturen). Ziel ist es, dass solche Bewirtschaftungsverfahren auf nassen Standorten mittel- bis langfristig zu einer echten Alternative auf Moorböden werden – und so die dauerhafte Nutzbarkeit dieser Standorte gesichert wird.

Darüber hinaus nutzt Niedersachsen das ELER-Programm für ländliche Räume („PFEIL“) für die Ziele des Klima- und Moorschutzes. Mit dem PFEIL-Programm ist das Instrument der Flurbereinigung generell im Sinne agrar- und umweltpolitischer Ziele neu ausgerichtet worden. Gleichzeitig steht eine neue Maßnahme „Flächenmanagement für Klima und Umwelt“ zur Verfügung, die in Verbindung mit der Flurbereinigung insbesondere auf die Erhaltung der kohlenstoffreichen Böden abzielt. Unter Beteiligung der Landwirtschaft vor Ort sollen möglichst solche Moorflächen gefunden werden, die eine große CO2-Speicherfähigkeit besitzen. Dabei gewinnt sowohl die Landwirtschaft durch strukturelle Verbesserungen, die der Stärkung der wirtschaftlichen Grundlagen der Betriebe dienen sollen und gleichzeitig das Klima durch die Wiedervernässung ausgewählter Moorflächen. So kann dieses partizipative Instrument einen wichtigen Beitrag zur klimaschutzorientierten integrierten ländlichen Entwicklung leisten.



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