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Milchmarkt, Tierschutz und Carbon Farming

Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast setzte sich bei der EU für niedersächsische Agrarthemen ein


Hannover/Brüssel. Milchmarkt, Tierschutz und Carbon Farming standen im Mittelpunkt einer virtuellen Brüssel-Reise der niedersächsische Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast. Angesichts zahlreicher drängender Herausforderungen in der Agrar- und Ernährungsbranche führte Otte-Kinast Gespräche mit Kommissionvertretern.

Den Auftakt bildete eine Videokonferenz mit Christian Holzleitner von der Generaldirektion CLIMA der EU-Kommission über Carbon Farming. Bei Carbon Farming handelt es sich um Maßnahmen, um die Kohlenstoffspeicherung in land- und forstwirtschaftlich genutzten Böden zu verbessern. Christian Holzleitner betonte, dass Carbon Farming als Ergänzung zur Reduzierung der Kohlenstoffemissionen einen wertvollen Beitrag zum Klimaschutz leisten könne. Eine verbesserte Bearbeitung der Böden erhöhe die Biodiversität und könne die Klima-Resilienz der Landwirtschaft vergrößern.

Er betonte auch, dass es bei Carbon Farming großen Forschungsbedarf gebe und es sich lediglich um ein interessantes Zusatzeinkommen für landwirtschaftliche Betriebe handelt.

In dem Gespräch wurde jedoch auch deutlich, dass es noch zahlreiche offene Fragen zum Carbon-Farming und insbesondere zum geplanten Zertifizierungsrahmen der EU gibt. In ihrer Strategie für „nachhaltige Kohlenstoffkreisläufe“ vom Dezember 2021 hatte die Kommission diesen für Ende 2022 angekündigt. Christian Holzleitner betonte, dass es sich hierbei nur um ein Rahmenwerk handeln wird. Die genaueren EU-Richtlinien für Praktiken, wie die für Niedersachsen besonders relevante Wiedervernässung von Mooren, sollen dann zu einem späteren Zeitpunkt erlassen werden.

Als Gastrednerin sprach Ministerin Barbara Otte-Kinast bei der European Dairy Association Policy Conference. Ihre Rede zu regionalen Ansätzen für die Zukunft der Landwirtschaft und für den Milchsektor begann die Ministerin mit einer Verurteilung der russischen Invasion der Ukraine und eine Solidaritätsbekundung für alle Menschen, die unter den Folgen des Krieges leiden müssen. Dass sich dieser zunehmend auf die Landwirtschaft auswirkt, wurde auch bei dieser Fachkonferenz deutlich. Wichtig sei für landwirtschaftliche Betriebe ein ausgeglichenes Kräfteverhältnis mit dem Handel. Regionale Wirtschaftskreisläufe spielten dabei angesichts des Krieges und der Pandemie eine wichtige Rolle für stabile Lieferketten. Die Ministerin versprach, dass sie sich in Niedersachsen, beim Bund und auf EU-Ebene weiter dafür einsetzen werde, dass Strukturbrüche verhindert werden.

Zum Abschluss der virtuellen Reise ging es um Tierschutzregelungen im Geflügelbereich. In einer Videokonferenz mit Claire Bury, der stellvertretenden Generaldirektorin der Generaldirektion SANTE, warb die Ministerin bei der Kommission für ein einheitliches Vorgehen in der EU beim Ausstieg aus dem Kükentöten. In Deutschland ist diese Praxis aus ethischen Gründen seit dem 1. Januar 2022 verboten. Otte-Kinast wies auf ein von Niedersachsen gefördertes Projekt der TU Dresden hin, mit dem das Geschlecht im Ei am Tag 5,5, und damit vor dem Eintritt des Schmerzempfindens des Embryos, bestimmt werden kann.

Momentan werden diese Verfahren zur Geschlechtsbestimmung im Ei noch nicht eingesetzt und somit müssen seit Januar die männlichen Legehybriden aufgezogen werden. In Niedersachsen sind es momentan ca. 15 Mio. „Bruderhähne“, die unter die Masthühnerrichtlinie fallen (2007/43/EG). Aus Sicht des niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums muss dies dringend geändert werden, weil diese Legehybriden im Vergleich zu Masthühnern viel kleiner und leichter sind. Da die erlaubte Besatzdichte sich nach dem Gewicht richtet, ist die Haltung von fast hundert Bruderhähnen pro Quadratmeter erlaubt. Das sei aus Tierschutzgesichtspunkten kaum hinnehmbar. Die Bruderhähne sind auch agiler und aggressiver und entwickeln leicht Verhaltensstörungen wie Federpicken und Kannibalismus. Deshalb dringt Barbara Otte-Kinast auf eine Anpassung der Richtlinie, um die Besatzdichte zu verringern und ein Angebot an Beschäftigungsmaterial verpflichtend zu machen. Aus ihrer Sicht sollten für „Bruderhähne“ die gleichen Haltungsvorschriften gelten wie für Junghennen. Zum Ende des Gesprächs setzte sich die Ministerin noch für Mindestanforderungen an die Haltung von Mastputen ein, um Wettbewerbsverzerrungen innerhalb der EU zu verhindern.

Artikel-Informationen

erstellt am:
18.03.2022

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