Nds. Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz klar

Ökolandbau in Niedersachsen mit kräftigem Wachstumsschub

400 Bio-Betriebe mehr als 2013 – Ökofläche wächst in 2016 um 20 Prozent – Minister Meyer: Vielfältige Förderung für unsere Biobauern zahlt sich jetzt aus


HANNOVER. Der Ökologische Landbau in Niedersachsen hat unter der Rot-Grünen Landesregierung erheblich an Fahrt aufgenommen. Nach Jahren der Stagnation stieg die Zahl der Ökobetriebe seit 2013 um 400 auf rund 1790 Betriebe und damit um gut 28 Prozent, die Ökofläche wuchs allein 2016 um 20 Prozent auf etwa 87.000 Hektar - auch dies sei ein Rekordwert, erläuterte Agrarminister Christian Meyer heute (Freitag) in Hannover. Allein in 2017 haben bisher 150 Betriebe einen Umstellungsantrag auf Ökolandbau gestellt. Somit könnten in diesem Jahr noch einmal rund 8.000 Hektar Ökofläche hinzukommen. „Die vielfältigen Fördermaßnahmen des Landes zeigen jetzt Wirkung", freute sich Minister Meyer über den Bioboom in Niedersachsen. „Der Biosektor ist das einzige Wachstumssegment im Agrarbereich, das ist gut für die Landwirte, gut für die Umwelt und gut für die Verbraucher."

Noch 2013 hatte Niedersachsen im Bundesvergleich die geringsten Fördersätze für den Ökolandbau. Die jetzige Landesregierung hat diese angesichts hoher Umwelt- und Tierschutzleistungen der Ökobetriebe mehrfach erhöht, von 262 Euro pro Hektar in 2013 auf jetzt 403 Euro für die ersten beiden Umstellungsjahre und von 137 Euro auf 273 Euro pro Hektar ab dem dritten Jahr. Damit gehört Niedersachsen nun bundesweit zu den Spitzenreitern bei der Flächenförderung.

„Eine ganze Palette weiterer Unterstützungsmaßnahmen des Landes hat mit zu dieser sehr positiven Entwicklung beigetragen, auch im Rahmen unseres Aktionsplans Ökolandbau", so Meyer. Der Minister nannte als Beispiele die Stärkung der Bereiche Erzeugung, Verarbeitung und Vermarktung, praxisorientierte Forschungs- und Züchtungsvorhaben zur ökologischen Wirtschaftsweise, aber auch die bessere Verankerung des Ökolandbaus in die landwirtschaftliche Ausbildung.

Besonders stark gewachsen sind die Produktion von Bio-Eiern und der ökologische Obstbau, aber auch die Bio-Milch erlebte zuletzt einen Wachstumsschub. Seit 2012 ist im Land die Zahl der Bio-Legehennen um 50 Prozent auf jetzt 2,2 Millionen Hühner gewachsen. „Fast jedes zweite Bio-Ei in Deutschland stammt schon aus Niedersachsen und fast jeder vierte Legehennenbetrieb macht Bio", so der Minister.

Deutlich gewachsen ist jetzt auch der Bioobst-Anbau im Alten Land. Etwa 40 Prozent der deutschen Bio-Äpfel kamen 2016 aus Niedersachsen. Die Anbaufläche von Bio-Obst wuchs gegenüber 2013 um 30 Prozent auf jetzt rund 1.400 Hektar. Das Land fördert etwa die Beratung zur Umstellung und zu Spezialthemen des Ökologischen Obstanbaus über den Versuchs- und Beratungsring „Öko-Obstbau Norddeutschland" (ÖON e.V.).

„Durch diese langjährige Förderung wurde der Beratungsring zum verlässlichen Partner seiner Betriebe", sagte Christian Jackisch vom ÖON. „Ein wichtiger Baustein für unsere Arbeit ist auch die projektbezogene Förderung des Landes bei der Forschung und den zahlreichen Anbauversuchen, um die Ergebnisse des Ökoobst-Anbaus stetig zu verbessern und ihn weiterzuentwickeln."

Zum wichtigen Absatzmarkt des Bio-Obstes wurde das Niedersächsische Schulobstprogramm. Denn rund 70 Prozent der beteiligten Schulen beziehen Bio-Obst und Bio-Gemüse. Die Fördermittel des Landes wurden von zunächst gut 900.000 Euro auf 1,5 Millionen Euro erhöht, der Gesamtetat beträgt nun jährlich sechs Millionen Euro. So konnten im vergangenen Schuljahr 1.200 Tonnen gesundes Bio-Obst und Bio-Gemüse kostenlos an die Schüler verteilt werden - gegenüber 720 Tonnen im Schuljahr 2014/15.

Auch der Anbau von Bio-Gemüse verzeichnet ein kräftiges Wachstum, in 2017 beträgt die Anbaufläche rund 1.840 Hektar, auch hier eine Steigerung von 33 Prozent gegenüber 2013. Von der gesamten Gemüsefläche in Niedersachsen werden schon zehn Prozent ökologisch bewirtschaftet. Der Öko-Anteil bei Möhren liegt sogar bei 20 Prozent, jede fünfte niedersächsische Möhre ist also Bio.

Die große Nachfrage nach regionalen Bioprodukten hält an. Die stark gestiegene Produktion in Niedersachsen sei aus Sicht der Anbauverbände daher eine folgerichtige Entwicklung, sagte Harald Gabriel vom Bioland-Verband Niedersachsen-Bremen. „Das Interesse der Betriebe auf Ökologische Landwirtschaft umzustellen ist deutlich gestiegen. Niedersachsen als führendes Agrarland verdient noch viel mehr Ökolandbau. Von der Erzeugung über die Verarbeitung bis zum Handel besteht noch ein großes Entwicklungspotenzial. Von der Agrarpolitik fordern wir deutliche Signale, dass die Weichen weiter für eine ökologische und tiergerechte Landwirtschaft gestellt werden."

Nicht nur die Erzeugung ist den vergangenen Jahren enorm gewachsen, auch die Verarbeitung von Bio-Produkten und der Handel haben kräftig zugelegt. So sind die Hersteller von sieben der 25 umsatzstärksten Bio-Marken im Naturkosthandel in Niedersachsen ansässig, nämlich Allos, Voelkel, Lebensbaum, Lavera, Bauckhof, Ökoland und Logocos.

Bei der Entwicklung des Ökolandbaus in Niedersachsen gibt es aber regionale Unterschiede. Am stärksten wächst der Bio-Sektor im Nordosten des Landes. Im Landkreis Lüchow-Dannenberg beträgt der Bio-Anteil schon fast 14 Prozent der Fläche - gefolgt vom Heidekreis (11,1 Prozent), dem Landkreis Lüneburg (8,6 Prozent) und dem Landkreis Osterholz (8,2 Prozent). Schlusslichter sind die Landkreise Cloppenburg, Emsland, Vechta und Grafschaft Bentheim mit einem Flächenanteil von unter einem Prozent. Als einer der Hauptgründe gelten hier die sehr hohen Pachtpreise für Ackerland.

Im Nordwesten wirkte sich insbesondere die neue Biomilch-Verarbeitung der Molkerei Ammerland positiv aus, sagte Minister Meyer. Gleich 40 Milchviehbetriebe hätten dadurch in den Landkreises Wesermarsch und Leer auf die Produktion von Bio-Milch umgestellt, was einen Flächenzuwachs von mehr als 2.000 Hektar brachte.

„Wenn jedes Jahr der Verbrauch an Bio-Lebensmitteln um rund zehn Prozent steigt, ist das eine große Chance für den Ökosektor in ganz Niedersachsen. Wir müssen die wachsende Nachfrage noch stärker mit heimischen Produkten bedienen", so der Agrarminister. „Was wir hier erleben, ist eine echte Erfolgsgeschichte. Aber wir müssen diesen Bereich konsequent weiter fördern und ausbauen. Ich will nicht, dass irgendwann die Bio-Milch aus Neuseeland kommt und die Bio-Kartoffel aus Ägypten."

 

Artikel-Informationen

06.10.2017

Ansprechpartner/in:
Manfred Böhling

Nds. Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz
Stellvertretender Pressesprecher
Calenberger Str. 2
30169 Hannover
Tel: 0511-120 2137

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