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Ringelschwanz im Fokus

EU-Kommissar Andriukaitis informierte sich in Niedersachsen über Tierwohl-Maßnahmen


HANNOVER /SCHWIENAU. Vytenis Povilas Andriukaitis, EU-Kommissar für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, hat besonderes Interesse an der Schweinehaltung – genauer gesagt, am Ausstieg aus dem routinemäßigen Kupieren der Schwanzspitzen. Deshalb besuchte er auf Einladung von Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast mit einer Delegation Niedersachsen, um Tierwohl-Maßnahmen kennenzulernen.

Einen Einblick in die Praxis erhielten beide heute auf dem Betrieb von Familie Harleß in Schwienau (Landkreis Uelzen). Landwirt Karl Harleß schilderte umfangreiche Veränderungen im Stall (u.a. Licht, Futter, Klima, Beschäftigungsmaterial) und die daraus resultierenden Erfahrungen, um das Schwanzbeißen bei Schweinen zu reduzieren. „Die Tiere erzählen uns mehr als wir wahrnehmen“, stellte Harleß fest. Der Betrieb gehört zum Bundesprojekt „Modell- und Demonstrationsvorhaben Tierschutz (MuD Tierschutz)“.

„Wir haben den Anspruch, nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ das Agrarland Nummer 1 zu sein“, betonte Ministerin Otte-Kinast in der anschließenden Pressekonferenz. Sie hob das Engagement der Betriebsleiter für mehr Tierwohl hervor. In Bezug auf die „Ringelschwanzprämie“ appellierte sie an die EU, die umfangreichen Bemühungen zur Verhinderung des Schwanzbeißens als Zeichen der aktiven Problemlösung zu würdigen. „Wir arbeiten intensiv an Maßnahmen, um die Vorgaben zu erfüllen. Ein EU-Vertragsverletzungsverfahren wäre das falsche Signal aus Brüssel“, sagte die Ministerin in Richtung des EU-Kommissars.

Außerdem hob sie den Tierschutzplan als Dialogplattform hervor: „Die bei uns entwickelten Leitlinien werden bundesweit beachtet und wären sicher auch für die Tierschutzplattform der EU interessant.“

Ein weiteres Anliegen der Landwirtschaftsministerin ist der tierschutzgerechte Tiertransport in Drittländer. Ministerin Otte-Kinast: „Es ist nicht nachvollziehbar, warum Tiere an vielen Grenzen nicht abgeladen und versorgt werden können.“ Sie appellierte an EU-Kommissar Andriukaitis, die EU-Verordnung umzusetzen.

Vytenis Andriukaitis, EU-Kommissar für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, erklärte: „Als ich mein Amt antrat, standen zwölf Maßnahmen zur Umsetzung der EU-Tierschutzstrategie auf unserem Programm. Ich bin sehr stolz darauf, dass wir es geschafft haben, alle diese Maßnahmen abzuschließen. 2016 haben wir eine Empfehlung speziell im Hinblick auf das Wohlergehen von Schweinen angenommen; letzten Juni haben wir im Rahmen der EU-Tierschutzplattform eine zweite Untergruppe eingerichtet, die sich ausschließlich mit dem Wohlergehen dieser Tiere beschäftigt. Das zeigt ganz deutlich, dass wir uns auf EU-Ebene sehr bemühen, den Tierschutz bei Schweinen zu gewährleisten. Ich zähle darauf, dass auch die Mitgliedstaaten ihren Beitrag leisten. Und ich freue mich besonders über die diesbezüglichen Initiativen des Landes Niedersachsen.“

 
Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast (Mitte) begrüßt Vytenis Povilas Andriukaitis, EU-Kommissar für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, in Hannover.
 
EU-Kommissar Andriukaitis (5.v.r.) und seine Delegation mit den Gastgebern aus Niedersachsen.
 
Landwirt Karl Harleß (2.v.l.) schildert EU-Kommissar Vytenis Povilas Andriukaitis (Mitte) und Ministerin Barbara Otte-Kinast (3.v.r.) die Veränderungen in seinem Betrieb zur Reduzierung des Schwanzbeißens bei Schweinen.
 
 
 
Nach der Exkursion in den Stall trafen die Ministerin und der EU-Kommissar mit dem Lenkungsausschuss für die „Niedersächsische Nutztierstrategie – Tierschutzplan 4.0“ zusammen.
Artikel-Informationen

12.10.2018

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