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Gemeinsamer Einsatz für den klimastabilen Wald der Zukunft

Ministerin lädt zur Pflanzaktion – Waldzustandsbericht 2019 vorgestellt


Hannover. Die niedersächsischen Waldbesitzer blicken auf zwei katastrophale Jahre in Folge zurück. Stürme, Hitze, Dürre und viele Millionen Borkenkäfer haben landesweit verheerende Waldschäden hinterlassen.

Um auf die Situation aufmerksam zu machen und einen Beitrag zur Wiederaufforstung der Wälder zu leisten, hat Niedersachsens Forstministerin Barbara Otte-Kinast heute Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft, Politik, Jagd, Forstwirtschaft und Naturschutzverbänden zu einer gemeinsamen Pflanzaktion eingeladen. Zusammen mit den rund 50 Gästen – unter ihnen Minister a. D. Gert Lindemann sowie Abgeordnete des Niedersächsischen Landtags und Mitglieder des Verwaltungsrats der Niedersächsischen Landesforsten – griff die Ministerin zum Spaten und pflanzte junge Stieleichen im Wald des Niedersächsischen Forstamtes Wolfenbüttel. Ministerin Otte-Kinast: „Trotz der katastrophalen Lage ist es wichtig, zuversichtlich in die Zukunft zu blicken. Mit der Pflanzaktion will ich ein Zeichen für den Wiederaufbau unserer Wälder setzen.“ Sie bedankte sich bei den Gästen für deren Einsatz.

Wie verheerend die Schäden in den niedersächsischen Wäldern sind, zeigt auch der Waldzustandsbericht 2019, den die Ministerin heute gemeinsam mit Dr. Klaus Merker, Präsident der Niedersächsischen Landesforsten, vorgestellt hat. Die Broschüre dokumentiert die abnehmende Vitalität der Baumarten, den Witterungsverlauf und Waldschädlinge. „Der Waldzustandsbericht belegt: Die Lage hat sich dramatisch zugespitzt“, so Ministerin Otte-Kinast. „Die starken Schäden und die Absterberate der Waldbäume sind 2019 auf das Niveau von 1984 geklettert und haben die damaligen hohen Werte teilweise noch übertroffen.“ Das Problem: Das zweite Jahr in Folge war es deutlich zu warm und zu trocken. Es fielen nur 85 Prozent des langjährigen Niederschlagssolls. Das Niederschlagsdefizit hat landesweit seine Spuren hinterlassen. Besonders Fichten, aber auch Buchen und Eichen haben in der Vitalität stark nachgelassen, sind teilweise abgestorben oder wurden vom Borkenkäfer überwältigt. Ablesbar ist die nachlassende Vitalität am Grad der Kronenverlichtung. Die Schwerpunkte der Schäden lagen in Ostniedersachsen und im niedersächsischen Bergland.

Das Ziel Niedersachsens ist ein standortsangepasster, klimastabiler und strukturreicher Mischwald. „Dazu will ich gemeinsam mit Waldbesitzenden und Forstleuten den Waldbau nachjustieren. Unsere Förderangebote unterstützen den Privat- und Kommunalwald bei dieser gesellschaftlichen wichtigen Aufgabe, und auch die Landesforsten brauchen unsere finanzielle Unterstützung“, erläuterte Otte-Kinast. Und Niedersachsen fängt hier nicht bei null an: Der Waldumbau nach dem Programm zur „Langfristigen Ökologischen Waldentwicklung“ (LÖWE) wird bereits seit drei Jahrzehnten umgesetzt und nun weiter konkretisiert. So wird künftig das pflanzenverfügbare Wasser im Boden die entscheidende Rolle bei der Baumartenwahl spielen. Daher konzentriert sich die Standortkartierung im Privatwald derzeit auf Waldbestände mit künftigen Kulturflächen. Die neue Richtlinie für die klimaangepasste Baumartenwahl in den Niedersächsischen Landesforsten stellt die Weichen für die Entwicklung betriebssicherer Wälder und blickt mit Klimaprojektionen bis 2070 weit in die Zukunft. Die Richtlinie ist auch Basis für die Förderrichtlinien im Privatwald. Reiner Fichtenwald wird in der künftigen Waldbauplanung keinen Platz mehr haben. Stattdessen stehen nun zusätzlich Weißtannen, Küstentannen und Japanlärchen, gemischt mit Buchen und weiteren Baumarten, aufgrund ihrer großen Klimaanpassungsfähigkeit neu im Katalog der so genannten Waldentwicklungstypen. Die Wiederbewaldung der Kahlflächen in Niedersachsen wird mehrere Jahre in Anspruch nehmen, der Waldumbau mehrere Jahrzehnte.

Ministerin Otte-Kinast: „Wenn wir weiter gemeinsam anpacken, werden wir die Leistung unserer Wälder für Forstwirtschaft, Natur und Erholung wiederherstellen, erhalten und verbessern!“

Der Waldzustandsbericht 2019 ist ab sofort abrufbar unter www.ml.niedersachsen.de --> Themenbereich Wald, Holz & Jagd --> Wald und Forstwirtschaft.

Zum Waldzustandsbericht:

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt (NW-FVA) in Göttingen stellen den Waldzustandsbericht jedes Jahr am Ende der Vegetationsperiode zusammen. Die NW-FVA ist eine zentrale Forschungs- und Beratungsstelle für alle Waldbesitzarten. Sie betreut mit rund 130 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und zahlreichen Drittmittelkräften ein Viertel der deutschen Waldfläche.

Hintergrund:

Wassermangel, Sonne und Schadorganismen verursachten in Niedersachsen Waldschäden in nie gekanntem Ausmaß. Waren zunächst Fichtenwälder betroffen, verschlechtert sich der Zustand inzwischen verstärkt auch in den heimischen Kiefern-, Buchen und Eichenwäldern. Das fortdauernd sehr warme und vor allem trockene Wetter führte zu dieser katastrophalen Situation. Wie dramatisch die Lage ist, beweisen diese Zahlen: Allein in diesem Jahr sind auf diese Weise bereits weit über 3,5 Mio. m³ Schadholz und rund 10.000 Hektar baumloser Fläche in Niedersachsen entstanden. Betroffen sind Landeswälder und Privatwälder gleichermaßen, wobei noch mit weiteren Schadensmeldung bis zum Jahresende zu rechnen ist. Viele Millionen Bäume sind abgestorben.


 
Freut sich über die große Resonanz bei der gemeinsamen Pflanzaktion im Wald des Niedersächsischen Forstamtes Wolfenbüttel: Forstministerin Barbara Otte-Kinast.
Artikel-Informationen

29.11.2019

Ansprechpartner/in:
Pressestelle

Nds. Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz
Calenberger Str. 2
30169 Hannover
Tel: 0511/120-2136
Fax: 0511/120-2382

http://www.ml.niedersachsen.de

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