Nds. Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz klar

Natürliche Waldentwicklung in Niedersachsen (NWE)

Ein Beitrag zur Nationalen Strategie zur Biologischen Vielfalt (NBS)


Forstminister Christian Meyer
Forstminister Christiam Meyer
Bildrechte: ML

Liebe Waldfreundinnen und Waldfreunde,


Niedersachsens Wälder sollen ein Stück wilder werden. Hiermit wollen wir der Natur mit ihren unzähligen Tier- und Pflanzenarten ein Stück Freiheit zurück geben.
Die Landesregierung wird die Nationale Strategie zur Biologischen Vielfalt (NBS) der Bundesregierung unterstützen und beabsichtigt, 10 % der Niedersächsischen Landesforsten (NLF) einer natürlichen Waldentwicklung zu überlassen. Das entspricht einer Fläche von ca. 335 km². Hier sollen Pflegemaßnahmen und die Holzernte künftig unterbleiben.
Den eingeschlagenen Weg der naturnahen Weiterentwicklung des niedersächsischen Landeswaldes gehen wir damit weiter. Das 10 %-Ziel der Wälder mit natürlicher Entwicklung wollen wir möglichst bis 2020 umsetzen.

Wie Sie unserer aktuellen Bilanz entnehmen können, sind im Oktober 2015 bereits über 8 % erreicht.


Ihr Christian Meyer

Niedersächsischer Minister für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz


Foto eines ungenutzten Buchenwaldes mit natürlicher Entwicklung  
Blick in einen ungenutzten Buchenwald mit natürlicher Entwicklung
Bildrechte: NW-FVA
Aufgrund der Vorbildfunktion der öffentlichen Wälder sollen 10 % der Fläche der Niedersächsischen Landesforsten (NLF) einer natürlichen Waldentwicklung überlassen werden und dauerhaft nutzungsfrei bleiben.

Über den Landeswald hinaus sind ausdrücklich auch Kommunen, Stiftungen, Verbände, Kirchen und der Privatwald eingeladen, geeignete Wälder zu melden und Informationen zur Verfügung zu stellen. Weitere Information sind auf dieser Website zusammen gestellt.


Hintergrund

Am 7. November 2007 hat die deutsche Bundesregierung die "Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt" (NBS) beschlossen. Sie erfüllt damit Verpflichtungen aus dem Übereinkommen über die biologische Vielfalt (Convention on Biological Diversity, CBD), dem Deutschland 1993 formell beigetreten ist. An der Umsetzung der zahlreichen Ziele des nationalen Programms sollen möglichst viele gesellschaftliche Gruppen beteiligt und für die Erhaltung der biologischen Vielfalt gewonnen werden.

Ein wichtiges Teilziel der NBS ist es, bis 2020 die natürliche Waldentwicklung auf 5 % der gesamten Waldfläche bzw. 10 % der Waldfläche der öffentlichen Hand in Bund, Ländern und Kommunen zu gewährleisten. Auf diesen Flächen soll die forstwirtschaftliche Nutzung, z. B. die Holzernte, vollständig ruhen.

Um die Fläche und die Eignung von Wäldern, die bereits 2013 nutzungsfrei waren, bundesweit quantifizieren und bewerten zu können, wurde in dem Forschungs- und Entwicklungsvorhaben NWE5 erstmals eine belastbare und transparente Bilanz über den Umfang und die Qualität dieser "NWE-Wälder" in Deutschland erarbeitet und der Öffentlichkeit vorgestellt. Die hier gewonnenen Erkenntnisse liefern wichtige Hinweise für den Waldnaturschutz in den Bundesländern sowie für eigene Beiträge zur nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt.


Was sind Wälder mit natürlicher Entwicklung (NWE)?

Unter Wäldern mit natürlicher Entwicklung werden alle Waldbestände und waldfähigen Flächen mit einer Größe von mehr als 0,3 Hektar verstanden, die sich dauerhaft und verbindlich gesichert eigendynamisch entwickeln können. Sowohl forstwirtschaftliche Eingriffe als auch naturschutzfachliche Pflegemaßnahmen sind in diesen Flächen ausgeschlossen.


Wieviel Wald mit natürlicher Entwicklung gibt es in Niedersachsen?

In der Stichtagsbilanz für Niedersachsen werden zum 01.06.2015, getrennt nach Wald der AöR Niedersächsische Landesforsten (NLF), sonstigem öffentlichen Wald und Privatwald dargestellt:

  • die Gesamtwaldfläche
  • der gegenwärtige Bestand der NWE-Flächen
  • der bis zum Jahr 2022 sicher zu erwartende zusätzliche Bestand an NWE-Flächen



Fläche der Niedersächsischen
Landesforsten AöR
sonstiger öffentlicher Wald*
Privatwald* Summe
Referenzfläche [Hektar]
ca. 335.000 160.000 705.000 1.200.000
NWE aktuell [Hektar]
24.100
600 100 24.800
NWE perspektivisch [Hektar]
3.300 3.300
NWE insgesamt [Hektar]
27.400 600 100 28.100
NWE-Anteil [Prozent]
ca. 8,2 0,40 0 2,3

Bilanz der Wälder mit natürlicher Entwicklung (NWE) in Niedersachsen zum 22.10.2015
(Flächenangaben in Hektar, gerundet)

*aus der Stichtagsbilanz für Niedersachsen zum 01.06.2013



Wo kann ich mich detailliert über die niedersächsischen Flächen mit natürlicher Waldentwicklung informieren?

Besuchen Sie das NWE-Niedersachsen Info-Portal der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt (NW-FVA) in Göttingen, das die NWE-Waldflächen umfassend darstellt und den Stand der Umsetzung dokumentiert.

Sie finden dort:

  • eine Flächenbilanz (für alle Waldbesitzarten)
  • eine Kartendarstellung (bisher ausschließlich für den Wald der NLF)
  • eine Analyse des NWE-Programms aus Naturschutzsicht (bisher ausschließlich für den Wald der NLF).
  • Jährlich zum 1. Januar wird der Datenbestand fortgeschrieben und die Internetseite aktualisiert.
Kartendarstellung mit Flächen des NWE-Programms  
Kartendarstellung im NWE-Niedersachsen-Portal der NW-FVA
Bildrechte: ML

Diese Merkmale machen den besonderen Wert eines NWE-Waldbestandes aus

  • naturnahe Baumartenzusammensetzung
  • naturnahe Standortverhältnisse
  • historisch alte Waldbestockung (Waldstandort seit mehreren Waldgenerationen)
  • umgebende Wirtschaftswälder mit überwiegend naturnaher Baumartenzusammensetzung
  • hohes Baumalter
  • viele unterschiedliche Kleinhabitate, wie Baumhöhlen, Pilzbäume, urige Wuchsformen, etc.
  • große Menge und Vielfalt an Totholz
  • kompakte Flächenform
  • geringe Zerschneidung durch Wege, Leitungstrassen etc.
  • geringe Störungen durch Besucherverkehr und entsprechend geringe Konflikte mit der Verkehrssicherung

Welche Flächen tragen zum NWE-Programm bei?

  • Öffentlich-rechtlich gesicherte Schutzgebiete mit natürlicher Waldentwicklung (z. B. Nationalpark, Naturwälder im Rahmen des LÖWE-Programms der Niedersächsischen Landesforsten (NLF), Naturschutzgebiete ohne Nutzung),
  • Habitatflächen der NLF, die im Zuge des LÖWE-Programms und im Rahmen der Entwicklung von Managementplänen für Schutzgebiete ausgewiesen wurden und die Kriterien des Forschungs- und Entwicklungs-Vorhabens "NWE5" erfüllen,
  • naturschutzfachlich besonders wertvolle Waldbestände (Hotspots),
  • für das NWE-Programm gemeldete Flächen außerhalb des Landeswaldes.


Ich will einen eigenen Waldbestand (Kommunalwald, Stiftungwald, Verbandswald, Kirchen- und sonstiger Privatwald) für das NWE-Programm melden und seine Eignung prüfen lassen.

Wo kann ich mich fachlich beraten lassen?


Ihre Ansprechpartner für fachliche Beratung finden Sie im Internetauftritt der NW-FVA.


Welche
Mindestanforderungen müssen erfüllt sein?

  • Der Wald oder die waldfähige Fläche (unabhängig von ihrer aktuellen Naturnähe) wird dauerhaft nicht forstlich genutzt (ohne zeitliche Begrenzung).
  • Pflegemaßnahmen sind nicht erlaubt.
  • Die Mindestgröße beträgt 0,3 Hektar.
  • Der Status als NWE-Fläche wird rechtlich, vertraglich oder durch dokumentierte Eigenbindung sicher gestellt.

Welche Maßnahmen sind auf NWE-Flächen zulässig?
  • Jagd
  • Feuerschutz- und Forstschutzmaßnahmen bei Gefahr im Verzug
  • öffentlicher Zutritt
  • Verkehrssicherungsmaßnahmen
  • nicht zerstörend wirkende Forschungsaktivitäten
Die Mindestanforderungen und zulässigen Maßnahmen orientieren sich an den entsprechenden Klassen der MCPFE (Ministerkonferenz zum Schutz der Wälder in Europa) und der IUCN (International Union for Conservation of Nature and Natural Resources / Internationale Union zur Bewahrung der Natur und natürlicher Ressourcen) für Nationalparks und Naturwaldreservate.




Welche Daten werden zur Meldung für das NWE-Programm benötigt?

Verbindliche Angaben:
  • Besitzart
  • Flächengröße
  • Bestandestyp
  • Alter der Hauptbaumart
  • Dauer des Nutzungsverzichts
  • Rechtliche Sicherung der Fläche
  • Lage der nutzungsfreien Waldfläche
Freigestellte Angaben:
  • Nährstoffversorgung
  • Wasserversorgung
Karte der naturräumlichen Regionen in Niedersachsen  
Naturräumliche Regionen in Niedersachsen (Stand 11/2010)
Bildrechte: Shape: Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN), Karte: LGLN


Zur Flächenauswahl

In die Bewertung der Waldflächen auf ihre Eignung für die NWE-Flächenkulisse fließen die Baumartenzusammensetzung, das Wald- und Bestandesalter, die Flächengröße, der Waldtyp der potenziellen natürlichen Vegetation und der Bestockungstyp sowie die Gefährung und Seltenheit ein.

Es werden die vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) verwendeten Naturräume und die nachfolgenden Einheiten der potenziellen natürlichen Vegetation (pnV) zu Grunde gelegt:

- bodensaure Buchenwälder
- mesophile Buchenwälder (Löss/Lehm/Silikat)
- mesophile Kalkbuchenwälder
- Kalk-Buchenwälder trockenwarmer Standorte (Orchideen-Buchenwald)
- (Birken-/Kiefern-/Eichen-) Buchenwälder sehr armer trockener Sande
- (Birken-/Kiefern-/Eichen-) Buchenwälder feuchter nährstoffarmer Standorte
- Winterlinden-/Hainbuchen-Mischwälder feuchter nährstoffreicher Standorte
- Erlen-Bruchwälder/-Sumpfwälder
- Kiefern-/Birken-Bruchwälder/-Moorwälder
- Erlen- und Eschen-Auwälder
- Weiden-Auwälder
- Hartholz-Auwälder
- Schlucht- und Hangmischwälder
- hochmontane Fichtenwälder auf Mineralböden
- hochmontane Fichtenwälder auf Moorböden


Zum Nutzungsverzicht in NWE-Wäldern

In nutzungsfreien Wäldern verzichten die Waldeigentümer auf die Holzernte und auf die durch sie erzielbaren Einnahmen.
Im Schnitt der Holzartengruppen Fichte, Kiefer, Buche und Eiche werden in jedem Jahr des Nutzungsverzichts 5,5 Erntefestmeter je Hektar nicht eingeschlagen und vermarktet. Diese forstbetrieblichen Mindererträge müssen gegebenenfalls innerbetrieblich ausgeglichen werden.


Biologische Vielfalt durch natürliche Waldentwicklung


Die natürliche Waldentwicklung in Niedersachsen unterstützt folgende Ziele der nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt (NBS)


- Erhaltung großräumiger, unzerschnittener Waldgebiete

- Erhaltung und Entwicklung der natürlichen und naturnahen Waldgesellschaften

- Besonderer Schutz alter Waldstandorte

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