Nds. Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz klar

Meyer: Niedersachsen stoppt Schnabelkürzen bei Legehennen

„Leuchtturm-Funktion“ – Hilfen für Bauern – Delegationsreise nach Österreich


HANNOVER. Das Schnabelkürzen bei Legehennen wird in Niedersachsen zum Auslaufmodell. „Wenn ein Land wie Österreich den Ausstieg aus dieser Amputation schafft, muss das auch bei uns möglich sein", sagte Niedersachsens Agrarminister Christian Meyer am Montag vor Journalisten in Hannover. „Das Ende des Schnabelkürzens kommt verbindlich 2016, wie im Tierschutzplan vorgesehen", bekräftigte Meyer im Anschluss an eine zweitägige Delegationsreise in die Alpenrepublik. „Schnabelkürzen ist ein schmerzhafter Eingriff. Das routinemäßige Schnabelkürzen von Millionen Hühnern ist nach den gemachten Erfahrungen in Österreich nicht notwendig", so der Minister. Kannibalismus und Federpicken unter den Legehennen, die durch das Schnabelkürzen eigentlich verhindert werden sollen, „werden dadurch nicht gestoppt, nur das Ausmaß der Verletzungen wird gemildert". Österreich zeige, dass bei gutem Management und wissenschaftlicher Betreuung die Sterberate und die Verletzungen sogar zurückgingen, während die Wirtschaftlichkeit steige. So sei die Zahl der Legehennen und der Anteil am Markt nach dem in Österreich von 2002 bis 2005 erfolgten Ausstieg sogar gestiegen, während er hierzulande sank. Neben Legehennenhaltern aus Niedersachsen hatten auch Wissenschaftler sowie Vertreter aus Handel und Geflügelwirtschaft den Minister begleitet.

Unterstützung erhielt der Minister von Robby Andersson, Professor an der Hochschule Osnabrück mit dem Schwerpunkt Management von Geflügelbeständen, sowie Öko-Landwirt Carsten Bauck, die an der Delegationsreise teilgenommen hatten und auch beim Pressegespräch dabei waren. Bauck: "Das hat schon seinen Grund, dass die Natur bei Hühnern Schnäbel vorgesehen hat."

Meyer strebt nach eigenen Worten einen mehrstufigen Ausstieg nach dem Modell Österreichs an. „Damit wird ein zentraler Punkt im Tierschutzplan Niedersachsens umgesetzt." Der von der Vorgängerregierung festgelegte Ausstiegstermin 2016 stehe für ihn fest. „Ich setze dabei wie in Österreich auf einen Konsens zwischen Landwirtschaft, Handel, Verbraucherschutz- und Tierschutzverbänden sowie den Wissenschaftlern", sagte Meyer. Hoffnung mache ihm, „dass es bereits positive Signale seitens des Handels und der Geflügelwirtschaft in Niedersachsen gibt".

Meyer kündigte „Anreize und Überzeugungsarbeit" an, um den Ausstieg aus der Schnabelamputation einzuleiten. In Österreich hatten sich die Hennenhalter in einer freiwilligen Selbstverpflichtung bereit erklärt, in einer Übergangsphase pro Tier einen bestimmten Betrag in einen Solidaritätsfonds einzuzahlen. Aus dem Fonds erhielten Betriebe mit unkupierten Herden finanzielle Unterstützung, bei denen Schäden durch Kannibalismus auftraten. Einen solchen Fonds für Entschädigungen, der aus der Wirtschaft gespeist wird, hält auch Meyer in Niedersachsen für sinnvoll. „Wir wollen ja die Hennenhalter nicht im Regen stehen lassen, sondern ihnen in der Übergangsphase helfen", sagte Meyer." Denkbar sei auch ein Zuschuss des Landes, eine Berücksichtigung des Verzichts auf Schnabelkürzen in der Förderung und ein Tierschutzplan-Logo, um das Vorhaben in der breiten Öffentlichkeit bekannt zu machen. „Aber dann muss der Handel mitziehen", so Meyer.

Die Erfahrungen in Österreich machen nach Meyers Worten Mut: „Der Verzicht auf das Schnabelkürzen hat dort nämlich nicht zu einem steilen Anstieg von Kannibalismus in den Legehennenherden geführt. Im Gegenteil: Kannibalismus tritt im Grunde genommen gar nicht mehr auf." Das bestätigten auch die von der Delegation besuchten Legehennenhalter in Österreich. Optimistisch stimmen ihn auch Erkenntnisse in Niedersachsen selbst: „Der Ökolandbau kommt längst ohne Schnabelkürzen aus", so Meyer. Und: In Österreich hat der Verzicht auf die Amputation mit der gleichen Legehennen-Linie funktioniert, die auch in Niedersachsen gehalten wird." Zudem sammeln seinen Angaben zufolge bereits jetzt Pilotbetriebe im Zuge des Tierschutzplans Niedersachsen seit etwa zwei Jahren Erfahrungen mit dem Ausstieg. Der Anteil " dieser engagierten Betriebsinhaber, die im Rahmen des Tierschutzplans mit Beratung auf Schnabelkürzen verzichten", solle bis Ende 2016 stufenweise ansteigen.

Damit bundes- und schließlich auch EU-weit das Ende des routinemäßigen Schnabelkürzens auf breiterem Fundament steht, kündigte Meyer noch in diesem Jahr eine Bundesratsinitiative an. Sie soll Mindestanforderungen an die Junghennenhaltung festlegen. Weder auf Bundes- noch auf EU-Ebene existieren derzeit konkrete Vorgaben für die Aufzuchtphase von Hennen. „Das ist jedoch ein wesentlicher Schlüssel für das gesamte Legehennen-Management und damit auch für den Verzicht auf die Amputation sowie zum Schutz der Tiere vor Verletzungen", sagte Meyer. Kriterien seien etwa die Festlegung einer Besatzdichte, das Angebot an Sitzstangen, ein gutes Stallklima und tiergerechte Einstreu. „Was die Junghenne nicht lernt, lernt die Legehenne nimmermehr", sagte Meyer.

In Österreich werden rund 5,8 Millionen Legehennen gehalten, von denen sich zwei Drittel in Boden- oder Volierenhaltung befinden. Käfighaltung ist bereits tabu. Laut österreichischem Gesetz ist das Schnabelkupieren zwar nicht generell untersagt; die beiden großen Labelorganisationen „KAT-Österreich" und „Tierschutzgeprüft" verbieten es jedoch. Ganz anders sieht es in Niedersachsen aus, das mit etwa 11,2 Millionen Legehennen in rund 5.000 Betrieben auch in diesem Sektor Agrarland Nummer 1 ist. Jedes dritte Ei in Deutschland kommt aus Niedersachsen. Fast allen Hennen in konventioneller Boden- und Freilandhaltung wird der Schnabel gekürzt. „Diese Routine wollen wir durchbrechen", sagte Landwirtschaftsminister Meyer. „Niedersachsens Ausstieg beim Schnabelkürzen hat deshalb bundesweit Leuchtturm-Funktion."

Presseinformation
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Artikel-Informationen

08.07.2013

Ansprechpartner/in:
Klaus Jongebloed

Nds. Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz
Pressesprecher
Calenberger Str. 2
30169 Hannover
Tel: 0511-120-2095
Fax: 05 11/1 20-23 82

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