Nds. Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz klar

Agrarminister Meyer: Überdüngung belastet weiter Böden und Wasser

Dritter Nährstoffbericht weist fast 60 Millionen Tonnen Wirtschaftsdünger aus – Zukunftsprojekt mit Wasserverband vorgestellt


HANNOVER. In Niedersachsen landet noch immer zu viel Dünger auf den Feldern. Obwohl die Tierzahlen in der Schweine- und Geflügelhaltung leicht gesunken sind und mehr Dünger aus den Überschussregionen in viehärmere Landesteile transportiert wurde, werden die zulässigen Nährstoffgrenzwerte in mehreren Landkreisen überschritten. „Das Mengenproblem bei Gülle und Gärresten ist noch nicht gelöst, wir haben die Trendwende noch nicht erreicht", sagte Agrarminister Christian Meyer bei der Vorstellung des aktuellen Nährstoffberichtes.

„Die Überdüngung der Felder belastet unsere Böden, das Wasser und das Klima. Umso wichtiger ist es, dass der Bund uns mit einem novellierten Düngegesetz endlich in die Lage versetzt, gezielter zu kontrollieren und Nährstoffströme abzugleichen", so Meyer. Der Nährstoffbericht wird seit 2013 jährlich von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen im Auftrag des Landwirtschaftsministeriums erstellt.

Von Juli 2014 bis Juni 2015 sind in Niedersachsen rund 59,6 Millionen Tonnen Wirtschaftsdünger angefallen, also Gülle, Festmist und Gärreste aus Biogasanlagen. Damit ist die Düngermenge nur noch leicht um 0,4 Millionen Tonnen angestiegen, im zweiten Nährstoffbericht hatte die Steigerung noch 2,6 Millionen Tonnen betragen. Mit dazu beigetragen haben auch die nach langer Zeit erstmals leicht gesunkenen Tierbestände. So wurden etwa 61.000 weniger Schweine und rund 190.000 weniger Stück Geflügel im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gehalten, während die Zahl der Rinder leicht um etwa 16.000 Tiere gestiegen ist und auch die Zahl der Biogasanlagen leicht zunahm. Der anfallende Stickstoff aus Biogasanlagen erhöhte sich um rund 3.000 auf jetzt fast 58.000 Tonnen, während der Stickstoffanteil der Tierhaltung leicht sank, auf jetzt 265.500 Tonnen.

„Die Maßnahmen, um die Düngermenge zu reduzieren, zeigen bereits Wirkung, wir sind aber längst noch nicht am Ziel", sagte der Minister. So wurde mit einem ressortübergreifenden Runderlass die Zusammenarbeit von Bau- und Düngebehörden für eine bessere Überwachung der Ställe geregelt. Durch verbindliche Kontrollen der Verwertungswege wurde eine landesweit sachgerechtere Wirtschaftsdüngerverwertung eingeleitet. „Und auch die Initiativen zur Förderung des Tierwohls bewirken, dass die Tierzahlen pro Betrieb tendenziell sinken", so Minister Meyer.

Optimistisch stimmt den Präsidenten der Landwirtschaftskammer, Gerhard Schwetje, „dass das System der Meldepflicht greift. Die erneut gestiegene Anzahl von Meldungen zeigt das Problembewusstsein der Landwirte und deren Bereitschaft, das Nährstoffthema aktiv anzugehen." Die Anzahl der Einzelmeldungen hat sich noch einmal um 18.000 auf rund 151.000 erhöht.

Der neue Nährstoffbericht zeigt auch: Immer mehr Gülle wird aus den Überschussgebieten in Ackerbauregionen transportiert. Insgesamt wurden rund 34 Millionen Tonnen Dünger an andere Betriebe abgegeben, davon rund 3,1 Millionen Tonnen in andere Regionen, der größte Teil davon stammt aus dem Weser-Ems-Gebiet (2,6 Millionen Tonnen). Dennoch führt das hohe Gesamtaufkommen zu erheblichen Nährstoffüberschüssen. Denn zusätzlich werden von den Landwirten bis zu 300.000 Tonnen Stickstoff aus Mineraldünger ausgebracht. Nimmt man den tatsächlichen Nährstoffbedarf der Pflanzen, beträgt der Stickstoffüberschuss im Land rund 81.000 Tonnen oder 30 Kilo pro Hektar und hat sich damit noch einmal um 14.000 Tonnen erhöht. Auch Kammerpräsident Gerhard Schwetje sieht hier weiteren Handlungsbedarf. Wenn die in den organischen Düngern enthaltene Stickstoffmenge in der Praxis mineralischen Stickstoffdünger ersetze, bestehe auf Landesebene „ein Einsparpotential bei Düngern von annähernd 80 Millionen Euro", so Schwetje.

In Anbetracht der Nitratbelastung des Grundwassers müsse „die Düngermenge aber maßgeblich reduziert werden", sagte Minister Meyer. Der Anteil an Grundwassermessstellen in Niedersachsen mit Nitratgehalten über dem Grenzwert von 50 Milligramm/Liter betrage rund 50 Prozent. „Diese anhaltend hohe Belastung unseres Wassers ist nicht hinnehmbar", so der Minister. Schwetje kündigte an, die Kammer arbeite „mit Hochdruck daran, die Düngung mit Gülle, Mist und Gärresten sowie Mineraldünger weiter zu optimieren". Ein Ziel ist dabei, durch umweltschonende Verfahren die Nährstoff-Effizienz zu verbessern. Wegen der Verletzung der EU-Nitratrichtlinie und des Verstoßes gegen die Wasserrahmenrichtlinie hat die EU-Kommission bereits zwei Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland auf den Weg gebracht.

Vor diesem Hintergrund übte Meyer scharfe Kritik an der immer noch ausstehenden Novellierung von Düngegesetz und Düngeverordnung durch den Bund. Auf Druck Niedersachsens sehe der aktuelle Entwurf des neuen Gesetzes jetzt die Nutzung auch solcher Daten vor, die von den Landwirten zu anderen Zwecken erhoben wurden. „Das ist ein großer Erfolg. Damit kommen wir unserem Ziel eines transparenten Nährstoffabgleichs einen großen Schritt näher", sagte der Minister. Meyer forderte eine Ermächtigung durch den Bund, damit die Länder in Eigenregie einen Datenabgleich vornehmen können. Auch sollten überzogene Vorgaben etwa für weidehaltende Betriebe gestrichen werden. „Die bisher vom Bund gemachten Vorschläge reichen jedenfalls kaum für ein effizientes und wirksames Kontrollsystem", so Meyer.

Angesichts der zaudernden Haltung des Bundes fördert Niedersachsen aktiv ein Zukunftsprojekt, um das Problem der Überdüngung von Böden und Wasser zu minimieren. Für das dreijährige „Verbundprojekt Wirtschaftsdüngermanagement" werden rund 900.000 Euro zur Verfügung gestellt. Zum einen soll unter Federführung der Landwirtschaftskammer die Abgabe von Wirtschaftsdünger in die Ackerbauregionen und dortige Verwendung unterstützt werden. Zum anderen wird durch den Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverband (OOWV) ein Zertifizierungssystem für die gesamte Logistikschiene von Wirtschaftsdünger aufgebaut. Meyer: „Viel zu lange ist die Belastung der Umwelt durch Gülle und Gärreste mit einem Schulterzucken hingenommen worden. Wir brauchen endlich Klarheit darüber, wo der Mist auf unseren Feldern landet, wer wie viel davon verbringt und auch, wer diesen Wirtschaftsdünger aufnimmt. Eine Zertifizierung etwa von Gülle-Börsen halte ich deshalb für wegweisend."

Den kompletten Nährstoffbericht finden Sie im Internet unter:

www.lwk-niedersachsen.de

oder unter:

www.ml.niedersachsen.de

Presseinformation
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Artikel-Informationen

13.01.2016

Ansprechpartner/in:
Manfred Böhling

Nds. Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz
Stellvertretender Pressesprecher
Calenberger Str. 2
30169 Hannover
Tel: 0511-120 2137

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