Baum des Jahres 2011
Die Elsbeere - eine in Deutschland und Niedersachsen seltene Baumart
Vielseitig interessant und doch weitgehend unbekannt? Die Elsbeere (Sorbus torminalis L.) gehört in Deutschland zu den seltenen Baumarten. Sie kommt meist einzelstammweise oder in kleinen Gruppen hauptsächlich in von Buchen und Eichen dominierten Mischwäldern vor. Im Rahmen der Erfassung forstlicher Genressourcen dokumentierte die Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt über 1.000 Vorkommen der Elsbeere in Hessen, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein. Meist handelt es sich nur um ein oder zwei Individuen umgeben von anderen Baumarten. Auf trockenwarmen Kalkstandorten kann die konkurrenzschwache Elsbeere noch am ehesten im Wachstum mit den Hauptbaumarten mithalten. Ohne Konkurrenz anderer Arten bevorzugt sie nährstoffreiche Böden und verträgt sogar periodische Überschwemmungen und zeitweise austrocknende Böden. Da die jungen Elsbeeren schnell von anderen Arten überwachsen werden, sind die Baumkronen häufig schmal. Wird die Art aber bei der Waldpflege gefördert, können Individuen bis zu 20 m hoch (in Ausnahmen bis 30 m) werden.
Die Elsbeere ist ein sommergrüner Laubbaum. Die Art gehört zur Familie der Rosengewächse (Rosaceae) und zur Gattung der Mehlbeeren (Sorbus). In Deutschland gibt es drei verwandte Arten in dieser Gattung: die weit häufigere Eberesche (Sorbus aucuparia L.), den Speierling (Sorbus domestica L.) und die Mehlbeere (Sorbus aria (L.) Cr.). Dort wo Mehlbeere und Elsbeere gemeinsam vorkommen, ist eine natürliche Hybridisierung möglich.
Farbenpracht im Herbst und Grundstoff für edle Alkoholika
Das Verbreitungsgebiet der Elsbeere reicht vom Mittelmehr bis nach Südschweden und von Portugal bis an das Kaspische Meer. Ihr Hauptvorkommen liegt in Frankreich, Italien und dem Balkan. In Österreich im Bereich des Wiesenwienerwaldes wurden Elsbeeren vor rund zweihundert Jahren einzeln außerhalb des Waldes gepflanzt, um großkronige Bäume für die Fruchternte zu erhalten. Die Früchte werden dort heute noch für den Verzehr und zur Produktion von Edelbrand geerntet. In Nordhessen südwestlich von Hofgeismar befindet sich eine beeindruckende Elsbeeren-Allee.
Elsbeeren sind im Wald am leichtesten durch ihre weißen Blüten im Mai/Juni und die im Herbst blutrot, orange und gelb gefärbten Blätter zu erkennen. Die Blüten stehen in lockeren Doldenrispen. Die Form der Blätter erinnert auf den ersten Blick ein wenig an Ahorn. Die Rinde von alten Bäumen ist rissig und dunkelbraun ähnlich der von Wildbirne oder Schwarz-Erle.
Die Elsbeere zählt zu den Edellaubhölzern. Ihr Holz ist mit das wertvollste der heimischen Baumarten. Im Februar 2000 wurde in Deutschland ein Rekordpreis von damals 28.459 Mark pro Festmeter bezahlt. Das Holz wird für den Möbel- und Instrumentenbau - besonders für Flöten - verwendet. Das sehr harte Elsbeerenholz zeigt häufig einen welligen Faserverlauf, die sogenannte „Riegelung".
Essbare Früchte und genetisch wertvolles Saatgut
Die Früchte der Elsbeere sind kugelig bis leicht birnenförmig, etwa 1,5 cm dick, anfangs rötlich gelb, später zur Reife braun mit hellen Punkten (Korkwarzen). Die Früchte sind essbar. Das Fruchtfleisch enthält Steinzellen, die sich beim Essen körnig anfühlen. Die Früchte werden in der traditionellen Medizin als Mittel gegen Magen-Darm-Beschwerden verwendet. Daher stammt auch der lateinische Name der Elsbeere: torminalis - Kolik lindernd.
Neben der Vermehrung über Samen verbreitet sich die Elsbeere über Wurzelbrut. Einzelne Gruppen von Bäumen können daher ein einziger Genotyp (ein Klon) sein. Da die Bäume nur im Freistand gut fruktifizieren, wird das Saatgut für Nachpflanzungen zumeist auf speziell dafür angelegten Samenplantagen (siehe Herbstbild) geerntet. Auf diesen Flächen wird genetisch vielfältiges Saatgut gewonnen. Anpflanzungen mit Elsbeeren aus verschiedenen Regionen zeigten, dass auf geeigneten Standorten in Nordwestdeutschland die Nachkommen von Bäumen aus Frankreich (Lothringen), Unterfranken (Sailershausen, Würzburg und Schweinfurt) und Niedersachsen (Göttingen, Liebenburg) besonders wüchsig sind. Diese Bäume produzieren seit mehreren Jahren Saatgut auf einer der fünf Elsbeeren-Samenplantagen der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt.
Niedersachsen Portal