Die Gesundheit des Ökosystems Wald und die nachhaltige Leistungsfähigkeit der Böden stehen im Focus des forstlichen Umweltmonitorings
Seit 1984 wird der der Waldzustand in Niedersachsen jährlich systematisch erfasst und dokumentiert. Neben diesen Untersuchungen überwacht die Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt (NW-FVA) auch die Populationsdynamik von Schadorganismen (vor allem Insekten und Pilze) und veröffentlicht die Ergebnisse der Waldzustandserhebung im Waldzustandsbericht.
Die Zeitreihe der Waldzustandserhebung über zweieinhalb Jahrzehnte bietet eine hervorragende Basislinie zur Interpretation möglicher zukünftiger Auswirkungen der Klimaveränderungen auf den Vitalitätszustand unserer Baumarten. Wesentlich beeinflusst wird der Waldzustand vor allem durch
- Luftschadstoffe
- Unerwünschte Anreicherung der Böden mit Stickstoff
- natürliche Einflüsse wie Trockenstress oder ausgeprägte Fruchtbildung
- Insekten wie Borkenkäfer oder blattfressende Schmetterlingsraupen
- krankheitserregende Pilze
- die Veränderung unseres Klimas.
Waldzustandsbericht 2011 für Niedersachsen, Titelbild: Forstliche Dauerbeobachtungsfläche
Der aktuelle Waldzustandsbericht liefert detaillierte Informationen
Der Kronenzustand der Waldbäume ist ein wichtiger Weiser für die Vitalität der Wälder, denn eine voll entwickelte, reich verzweigte Krone ist die Voraussetzung für die volle Lebenskraft der Bäume. Eine schüttere Baumkrone deutet meistens auf Belastungen hin.
Waldzustandserhebung
Die mittlere Kronenverlichtung der Waldbäume in Niedersachsen lag in den letzten 14 Jahren zwischen 13 % und 16 %. Der diesjährige Wert liegt mit 17 % etwas höher. Die Baumarten reagieren unterschiedlich auf die verschiedenen Einflussfaktoren. Die ältere Kiefer hat im Beobachtungszeitraum ein relativ geringes Kronenverlichtungsniveau beibehalten.
Auch 2011 setzt sich diese Tendenz fort, die mittlere Kronenverlichtung liegt wie im Vorjahr bei 14 %. Der Kronenzustand der Kiefer ist weiterhin markant besser als der von Fichte, Buche und Eiche. Bei der älteren Fichte wird seit Beginn der Zeitreihe der Waldzustandserhebung ein anhaltend hoher Verlichtungsgrad
festgestellt. Mit einer mittleren Kronenverlichtung von 30 % wird in diesem Jahr ein vergleichsweise hoher Wert erreicht. Während für Kiefer und Fichte seit Beginn der Erhebungen 1984 im Niveau der Kronenverlichtungen nur wenig Veränderungen zu beobachten sind, ist bei den Laubbaumarten Buche und Eiche eine Verschlechterung im Zeitverlauf eingetreten. Die Kronenverlichtungswerte liegen für beide Laubbaumarten derzeit etwa doppelt so hoch wie zu Beginn der Zeitreihe. Bei der älteren Buche wird 2011 mit einer Kronenverlichtung von 33 % der bislang höchste Wert in der Zeitreihe ermittelt. Diese Entwicklung steht in Zusammenhang mit der intensivsten Fruchtbildung seit Beginn des Beobachtungszeitraums.
Die ältere Eiche ist derzeit mit einer mittleren Kronenverlichtung von 34 % die am stärksten verlichtete Baumart in Niedersachsen. Fraßschäden durch die Eichenfraßgesellschaft haben sich wie im Vorjahr insgesamt negativ auf den Kronenzustand der Eiche ausgewirkt.
Im Jahr 2011 liegen die Verlichtungswerte der anderen Laub- und Nadelbäume (alle Alter) bei 11 %. Der Anteil starker Schäden (2011: 1,9 %) und die Absterberate
(2011: 0,2 %) liegen über den Mittelwerten der Zeitreihe aber weiterhin auf einem insgesamt geringen Niveau.
Witterung und Klima
Die Witterung der letzten 12 Monate war durch Extreme gekennzeichnet. Auf einen sehr kalten und sehr schneereichen Dezember 2010 folgte ein sehr warmes, trockenes und sonnenscheinreiches Frühjahr. Der April 2011 gehört zu den wärmsten Aprilmonaten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen in Deutschland. Gleichzeitig waren die ersten fünf Monate sehr niederschlagsarm. Im März wurden nur 16 % des durchschnittlichen Niederschlags gemessen.
Seit zwei Jahrzehnten zeigt sich in Niedersachsen die Tendenz zu Temperaturen oberhalb des langjährigen Mittels. Bei den Niederschlägen sind erhebliche Schwankungen für die Zeitreihe (1984-2011) typisch, Tendenzen zeichnen sich nicht ab.
Durch die erfolgreiche Umsetzung von Maßnahmen zur Luftreinhaltung ging der Gesamtsäureeintrag seit Ende der 1980er Jahre deutlich zurück. Die Bodenzustandserhebung (BZE) II zeigt jedoch, dass nach wie vor in den Tiefenstufen 5-10 cm und 10-30 cm 53 % bzw. 66 % der Waldstandorte in Niedersachsen stark versauert sind. Der oberste Mineralboden ist heute im Vergleich zur Bodenzustandserhebung I besser mit Basen versorgt. Die Ergebnisse von Versuchsfl ächen zum Vergleich gekalkter mit nicht gekalkten Flächen wie auch der BZE II zeigen die positiven Eff ekte der Bodenschutzkalkung vor allem im Oberboden.
Die Schwefel- und die Säureeinträge konnten seit den Siebzigerjahren deutlich reduziert werden, die Stickstoffeinträge stagnieren auf hohem Niveau oder gehen leicht zurück. Trotz der erfolgreichen Maßnahmen zur Luftreinhaltung stellen Bodenversauerung und Nährstoffanreicherung (Eutrophierung) auch weiterhin wesentliche Belastungen für die Waldökosysteme dar.
Abschätzung des Anbaurisikos für die Fichte auf Grundlage der klimatischen Wasserbilanz (Niederschlag minus Verdunstung) und des pflanzenverfügbaren Bodenwassers
Abschätzung des Anbaurisikos für Waldbäume am Beispiel der Fichte
Es bestehen kaum noch Zweifel, dass die globale Erwärmung bereits eingesetzt hat. Unsicherheit besteht allerdings noch über das Ausmaß der erwarteten Veränderungen und ihre regionale Ausprägung. Dies findet Ausdruck in den verschiedenen Klimaszenarien, die von den globalen Klimamodellen gerechnet werden.
Die Klimaprojektionen lassen für Deutschland einen deutlichen Temperaturanstieg bei gleichzeitig veränderter Niederschlagsverteilung erwarten. Im Vergleich zur Klimanormalperiode 1961 bis 1990 werden die Wintermonate feuchter und deutlich wärmer, während die Sommermonate trockner und moderat wärmer ausfallen sollen.
Der prognostizierte Klimawandel wird sich vielfältig auf die Wälder auswirken.
Die klimatische Wasserbilanz (KWB) ist eine einfache Methode, um die Wasserversorgung der Pflanzen unter heutigen und zukünftigen Klimabedingungen abzuschätzen. Die KWB ist die Differenz aus dem gefallenen Niederschlag und der Wassermenge, die die Pflanze bei uneingeschränkter Wasserverfügbarkeit verdunsten kann (potentielle Verdunstung). Dabei wir eine einheitliche Bedeckung der Landoberfläche mit einer Grasvegetation angenommen (Grasreferenzverdunstung). Um das pflanzenverfügbare Bodenwasser (nutzbare Feldkapazität, nFK) bei der Risikoabschätzung zu berücksichtigen, wurde die nFK aus der Bodenübersichtskarte im Maßstab 1:50 000 (BÜK50) in einem zweiten Arbeitsschritt mit der KWB verrechnet. Dabei wird die Annahme getroffen, dass der Bodenwasserspeicher zu Beginn der Vegetationsperiode vollständig gefüllt ist und den Pflanzen als zusätzlicher Wasservorrat (zum Niederschlag) zur Verfügung steht.
In den vorliegenden Klimaszenarien sind insbesondere die Prognosen für die Niederschlagsentwicklung mit großen Unsicherheiten behaftet. Bei der Abschätzung des Anbaurisikos flossen deshalb Schätzungen mit vergleichsweise hohen Niederschlägen und eher geringen Niederschlägen (feuchte und trockene Variante) gleichgewichtig in die Standortbewertung ein. Für die Risikoabschätzung wurde das A1B-Szenario als derzeit wahrscheinlicheres Klimaszenario verwendet. Alle Auswertungen beziehen sich auf die Vegetationsperiode (Ende April bis Anfang Oktober), wobei eine Verlängerung der Vegetationsperiode für die Dekade 2041-2050 berücksichtigt wurde.
Aus den Ergebnissen der Berechnungen ergibt sich, dass das Anbaurisiko für die Fichte in Zukunft zwar deutlich zunehmen wird, aber unter Berücksichtung des pflanzenverfügbaren Bodenwassers auch im Tiefland auf gut wasserversorgten Standorten möglich sein wird.
Auf Grundlage der vorgestellten Risikoklassifizierung werden bis zum Jahr 2050 die unkritischen Fichtenanbaugebiete auf die höheren Mittelgebirgslagen und im Tiefland auf Standorte mit hohen Bodenwasservorräten im Westen des Landes sowie größere Flusstäler zurückgedrängt. Das Ostniedersächsischen Tiefland, die Berglandschwelle und tiefere Lagen im Bergland sind mit einem erhöhten bzw. hohen Anbaurisiko behaftet.
Merkblatt Bodenschutzkalkungen
Im Ökosystem Wald kommt dem Boden eine Schlüsselrolle zu. Er ist Standort für die Bäume und die Begleitvegetation, und er ist Reaktionsort für die Stoffaufnahme der Wurzeln und für die Mineralisation durch Bodenfauna und – flora. Als Nährstoff- und Wasserspeicher dient er der Regulation der Stoffflüsse, die in den Boden gelangen und aus dem Boden herausgehen.
Im vorliegenden Merkblatt stehen Aspekte einer standörtlich differenzierten Durchführung der Kalkung im Vordergrund, die sowohl der veränderten Belastungssituation als auch der Entlastung der Böden durch bereits erfolgte Kalkungen Rechnung tragen. Ferner werden Hinweise zur Abwicklung der Kalkungsmaßnahmen von der Ausschreibung bis hin zur abschließenden Dokumentation gegeben, die einen geregelten und störungsfreien Ablauf der Kalkungsmaßnahmen ermöglichen sollen.
Die Anwendung in Niedersachsen wird empfohlen.
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