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Agrarminister Meyer: Bio-Möhren können wir auch selber produzieren

Niedersachsen will regionalen Ökolandbau weiter verstärken - Fachbeirat legt Empfehlungen vor

HANNOVER. Landwirtschaftsminister Christian Meyer sieht gute Chancen für ein ambitioniertes Aktionsprogramm Ökolandbau in Niedersachsen. Ein solches Vorhaben ist heute (Donnerstag) vom Niedersächsischen Fachbeirat zur Förderung des Ökologischen Landbaus vorgeschlagen worden, der nach seiner Neu-Konstituierung vor fast einem Jahr eine erste Bilanz seiner Arbeit in Hannover präsentierte. „Bei den Bioprämien ist Niedersachsen unter Rot-Grün bereits Spitzenreiter geworden. Wir werden weiter Akzente für eine nachhaltige und umweltverträgliche Landwirtschaft setzen", so der Minister.

Meyer dankte den Beiratsmitgliedern aus Bio-Landwirtschaft, Wirtschaft und Handel für ihr Engagement und die Ausarbeitung der umfangreichen Empfehlungen. „Wir greifen die Vorschläge dieses hochkarätig besetzten Expertengremiums gerne auf", sagte der Minister. Das Papier enthalte zahlreiche interessante Impulse, um den Ökolandbau noch weiter als bisher voranzubringen. „Und es ebnet den Weg für eine nachhaltige Weiterentwicklung der Landwirtschaft insgesamt." Die Empfehlungen des Fachbeirats würden „viele der Maßnahmen und Aktivitäten bestätigen, die wir bereits eingeleitet haben".

Der Minister wies darauf hin, dass der Ökolandbau unter der rot-grünen Landesregierung gestärkt worden sei. „Niedersachsen war bei den Förderprämien bundesweit Schlusslicht." Mittlerweile seien die Weichen neu gestellt. „Niedersachsen nimmt nun bei den Förderprämien für Biobauern und solche Landwirte, die von einer konventionellen auf eine ökologische Landwirtschaft umstellen wollen, den ersten Platz ein. Für die Biobetriebe ist die Beibehaltungsförderung fast verdoppelt worden." Ein hundert Hektar Betrieb mit ökologisch bewirtschafteter Fläche bekommt jetzt knapp 10.000 Euro mehr pro Jahr. Attraktiv seien dabei zusätzliche Kombinationsmöglichkeiten mit anderen Fördermaßnahmen wie etwa für Eiweißpflanzenanbau oder extensive Grünlandbeweidung. „Die Nachfrage nach Bio-Produkten steigt, der Markt ist vorhanden", sagte Meyer. „Umso wichtiger ist es, die Voraussetzungen für ein entsprechendes Angebot zu schaffen." Eine wichtige Rolle spielen dabei nach seinen Worten unter anderem bereits in Gang gesetzte Forschungsvorhaben, Projekte zur Weiterentwicklung des Marktes, Vorschläge für eine verbesserte Ausbildung sowie neue EU-Förderprogramme. So laufen zum Beispiel zwei Forschungsprojekte zu tiergerechten Hühnermobilen. In diesem Bereich gibt es immer mehr Anträge und die fahrbaren Ställe werden erstmals im Agrarinvestitionsförderprogramm besonders berücksichtigt.

Die Nachfrage nach Bioprodukten, vor allem auch aus der Region, steigt immer weiter. Im vergangenen Jahr hat sich der Bio-Umsatz bundesweit um 7,2 Prozent erhöht. Allerdings stagniert die heimische Bioproduktion, viele Biowaren müssen importiert werden. „Die Bio-Möhren und - Getreide können wir auch selber produzieren. Wir wollen mehr Bioprodukte aus der Region", unterstrich Meyer. Er verstehe daher die Empfehlungen des Fachbeirats als „zusätzlichen Impulsgeber für die Stärkung der ökologischen Landwirtschaft in Niedersachsen".

Carolin Grieshop, derzeit Beiratsvorsitzende und zugleich Geschäftsführerin der Kompetenzzentrum Ökolandbau Niedersachsen GmbH (KÖN), erläuterte die aus Sicht des Beirates bedeutendsten Maßnahmen zur Ausweitung des Ökolandbaus in Niedersachsen. „Die ökologische Landwirtschaft sehen wir als Leitbild für die zukünftige Entwicklung der Landwirtschaft: mehr Umwelt-, mehr Ressourcen- und mehr Tierschutz", sagte Grieshop. „Wir schlagen der Landesregierung ein Aktionsprogramm Ökolandbau vor, das die bereits installierten Fördermaßnahmen ergänzt und erweitert."

Der Fachbeirat ist 2002 vom Niedersächsischen Landwirtschaftsministerium eingerichtet worden und wird alle drei Jahre neu berufen, zuletzt im vergangenen Jahr. Insgesamt 27 Vertreter aus Bio-Handel, -Verarbeitung, sowie -Erzeugung arbeiten in dem Gremium ebenso ehrenamtlich mit wie Wissenschaftler und Berater. Eine wesentliche Aufgabe des Beirats ist es, Empfehlungen an die Landesregierung zu geben, Forschungs- und Entwicklungsarbeiten sowie weitere innovative Maßnahmen anzuregen und sie in allen Belangen des ökologischen Landbaus zu beraten.

In den nun vorgestellten Empfehlungen begrüßt der Fachbeirat die deutliche Erhöhung der Flächenprämien für Biobetriebe, insbesondere auch während der Phase der Umstellung von einem konventionell auf einen ökologisch wirtschaftenden Hof. Besonders positiv bewertet wird das zwischen Landwirtschafts- und Kultusministerium abgestimmte Ziel, Ökolandbau in der landwirtschaftlichen Aus- und Weiterbildung besser zu verankern. Grieshop zufolge müssen überdies noch existierende Wettbewerbsnachteile ökologischer Betriebe „dringend verringert" werden. „Außerdem hält der Beirat es für geboten, die praxisorientierte ökologische Forschung und Entwicklung zu forcieren", so Grieshop. Die Bio-Landwirte seien zudem auf „verlässliche und angemessene" Rechtsvorschriften angewiesen. „Dafür muss sich Rot-Grün in Niedersachsen auch weiterhin auf Bundes- und EU-Ebene einsetzen", forderte die Beiratsvorsitzende.

Nähere Informationen zum laufenden Antragsverfahren für Agrarumweltmaßnahmen einschließlich der Ökoförderung sind unter

www.aum.niedersachsen.de und www.oeko-komp-de zu finden.

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