Nds. Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz klar

Anbau von Eiweißpflanzen in Niedersachsen wächst wieder

Projekt „Eiweißfutter aus Niedersachsen“ erfolgreich beendet – Minister Meyer: Müssen weg kommen von Gensoja-Importen aus Südamerika


HANNOVER. Niedersachsens Agrarminister Christian Meyer setzt bei der Zukunft des Tierfutters auf Eiweißpflanzen aus heimischen Anbau. Als wichtiger Baustein der Eiweiß-Strategie, wie sie die Rot-Grüne Landesregierung im Koalitionsvertrag als Ziel vereinbart hatte, wurde nun das Projekt „Eiweißfutter aus Niedersachsen" (EFN) abgeschlossen. Mit dem EFN-Projekt soll der regionale, gentechnikfreie Anbau von Leguminosen gefördert werden, sowohl im ökologischen wie im konventionellen Landbau. Die Projektleiter und Minister Meyer zogen heute (Mittwoch) eine positive Bilanz. „Ich freue mich, dass Eiweißpflanzen aus regionaler Erzeugung endlich wieder auf der Tagesordnung stehen. Niedersachsen muss weg kommen von Gensoja-Importen aus Südamerika", sagte der Minister bei der Abschlussveranstaltung in Hannover. Das EFN-Projekt unter der Leitung der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) wurde vom Land mit 520.000 Euro gefördert, die Laufzeit des Projekts war von Juni 2014 bis September 2017.

Hauptziel war es, den Anteil von heimisch erzeugten Eiweiß-Futtermitteln zu erhöhen und die Vernetzung entlang der Wertschöpfungskette zu erhöhen. Insgesamt beteiligten sich zwölf Demonstrationsbetriebe. Zahlreiche gemeinsame Workshops und Feldtage dienten dem fachlichen Austausch; eine neue digitale Warenbörse brachte Erzeuger, Futtermittel-Hersteller und Handel zusammen. Und auch kirchliche Organisationen wie „Brot für die Welt" und NGOs fragten beim EFN-Projekt inhaltliche Unterstützung an. Dazu wurden Broschüren und anderes Info-Material erstellt. „Hier ist im wahrsten Sinne des Wortes der Boden für einen verstärkten Anbau von Eiweißpflanzen in Niedersachsen bereitet worden", bedankte sich Meyer bei allen Mitwirkenden.

Das grundlegende Problem: Die Tierhaltung in Deutschland und auch in Niedersachsen ist bei den eingesetzten Eiweiß-Futtermitteln in hohem Maße von Soja aus Südamerika abhängig. Deutschland ist mit rund 4,5 Millionen Tonnen einer der größten Soja-Importeure in der EU. Diese Importe sind sowohl aus umwelt- als auch entwicklungspolitischer Sicht sehr problematisch. „Sie gehen einher mit Monokulturen, hohem Landverbrauch, Einsatz von Gentechnik und Regenwaldzerstörung", sagte der Minister. Auf fast 80 Prozent der weltweiten Soja-Anbauflächen stünden derzeit gentechnisch veränderte Sorten. Der Anteil an inländisch erzeugten, gentechnikfreien Eiweiß-Futtermitteln müsse dringend erhöht werden, so Meyer.

Seit einigen Jahren findet nun ein Umdenken statt. Nicht zuletzt durch Initiativen wie dem EFN-Projekt steigt der Anbau von Leguminosen in Niedersachsen wieder an. Mit zahlreichen positiven Effekten. Denn der heimische Futter-Anbau kann nicht nur den klimaschädlichen Import reduzieren, er bietet auch eine zusätzliche Einkommenschance der hiesigen Bauern. Und: Leguminosen können mit Hilfe von Bakterien Stickstoff aus der Luft im Boden binden. Dadurch leisten sie einen wertvollen Beitrag zur Stickstoffversorgung der Pflanzen, fungieren gewissermaßen als natürlicher Dünger. Bei der Folgefrucht lassen sich bis zu 50 Kilogramm Stickstoff je Hektar einsparen, was - im konventionellen Anbau - zu einer entsprechen­den Einsparung von Mineraldünger führt. Zudem steigern Leguminosen den Humusgehalt, verbessern die Bodenstruktur und die Felder bieten Rückzugs- und Lebensräume für viele Insekten, Bienen oder bodenbrütende Vögel.

„Eiweißpflanzen sind aus ihrem Dornröschenschlaf geweckt worden. Die Anbaufläche ist kräftig gewachsen und inzwischen wissen viele wieder, wie eine Ackerbohne oder Futtererbse aussieht", freute sich Projektleiter Eberhard Prunzel-Ulrich von der AbL. „Heimisches Futter und die Produkte, die damit erzeugt werden, passen genau zur wachsenden Nachfrage nach regionalen und gentechnikfreien Erzeugnissen. Hier können Landwirte und Verbraucher wieder enger zusammenrücken."

Besonders gefragt sind in Niedersachsen die Körnerleguminosen wie Ackerbohnen, Erbsen oder Lupinen. Die Anbaufläche stieg von 2013 bis 2017 von rund 8.450 auf nunmehr fast 12.400 Hektar, eine Steigerung um fast 50 Prozent. Der Anteil der Ackerbohne an den Körnerleguminosen macht dabei gut 40 Prozent aus, ihre Anbaufläche ist bis 2017 auf rund 5.500 Hektar gewachsen, noch 2013 war es nur die Hälfte, nämlich knapp 2.700 Hektar. Insgesamt wachsen 2017 in Niedersachsen auf rund 21.700 Hektar Eiweißfutterpflanzen, neben den Körnerleguminosen sind dies vor allem Luzerne und Klee. Der Öko-Anteil daran beträgt rund 45 Prozent.

Carolin Grieshop, Geschäftsführerin des Projekt-Partners Kompetenzzentrum Ökolandbau Niedersachsen (KÖN) sagte: „Die Landwirtschaft hat sich spezialisiert auf Tierhaltung und Ackerbau. Dazwischen liegt der Handel. Wenn wir den Leguminosenanbau stärken wollen, müssen wir den Markt für Körnerleguminosen weiterentwickeln. Das Projekt ´Eiweißfutter aus Niedersachsen´ hat dafür eine solide Grundlage geschaffen. Daran sollten wir weiter arbeiten."

Auch im Landwirtschaftsministerium sieht man weiterhin großen Bedarf an Informationsaustausch und Beratung, um die begonnene Erfolgsgeschichte des heimischen Leguminosenanbaus fortzusetzen. „Die Landesregierung will diese Entwicklung weiter unterstützen und wir begrüßen es, dass es seitens der Projektpartner bereits Pläne zur Fortführung und Weiterentwicklung der Aktivitäten gibt", sagte Meyer. Während im bisherigen Projekt der Schwerpunkt auf dem Anbau lag, solle künftig der Fokus verstärkt auf Verarbeitung, Verfütterung und Vermarktung liegen.

Weiterführende Informationen und Ansprechpartner finden Sie auf der Webseite des EFN-Projekts unter: http://www.eiweissfutter-aus-niedersachsen.de

Artikel-Informationen

13.09.2017

Ansprechpartner/in:
Leonie Steger

Nds. Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz
Zweite Stellvertretende Pressesprecherin
Calenberger Str. 2
30169 Hannover
Tel: 0511-120-2135
Fax: 0511-120-2382

www.ml.niedersachsen.de

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